Elizabeth Wiskeman: Europe of the Dictators 1919–1945, Verlag Collins, London (The Fontana History of Europe), 287 Seiten, 8 sh, 6.

Die Verfasserin hat als Auslandskorrespondentin viele der Ereignisse miterlebt, über die sie als Historikerin in diesem Taschenbuch berichtet. Sie ist von früheren Arbeiten her als eine kenntnisreiche und neue Thesen scharf vertretende Autorin bekannt. Diesmal hat sie sich die Arbeit leicht gemacht und damit um den Erfolg gebracht. Im Vorwort betont sie, sie habe "ausdrücklich die britischen Inseln nur peripher" behandelt. Sehr schnell merkt der Leser: England hatte also mit dem "Europa der Diktatoren" fast nichts zu tun. Churchill, so muß der britische Leser meinen, hat über Hitler weder Negatives noch gar Positives gesagt; ebenso braucht über das komplizierte und widerspruchsvolle Verhältnis Englands zur Sowjetunion und zu Italien bei einer solchen Begrenzung des Themas nur wenig geschrieben zu werden. Über Chamberlains Rolle in München heißt es nur, er habe "sich anscheinend während der ganzen Konferenz für erfolgreich gehalten".

Alle Diktatoren kommen in diesem Band vor: deutsche und italienische, rumänische, ungarische und spanische – aber England, so scheint es dem, der nur dieses Buch liest, nahm selten Anteil an der Politik auf dem Kontinent und trägt daher auch keine Teilverantwortung dafür. Über die Polen heißt es, wenn sie Schwierigkeiten bereiten, "intransigent zu sein, war eine polnische Tradition". Daß Churchill von Stalin zur Konferenz nach Yalta eingeladen wurde, erfährt man noch – in welcher Rolle er an ihr teilgenommen hat, schon nicht mehr.

Von der deutschen Widerstandsbewegung – "amorph und unentschlossen" – wird ein Bild gezeichnet, das man nur als "gegenstandslos" bezeichnen kann. Goerdeler, wie Hassell ein "rückwärts schauender und intensiver Nationalist", habe "endlich" 1937 erkannt, daß der nationalsozialistische Antisemitismus "mehr als eine Redensart" war. Über Canaris, einen "nicht sehr liberalen Mann", heißt es nur, er sei Francos Freund gewesen und habe Hitler "wahrscheinlich" für "etwas Indezentes gehalten, das vernichtet werden müßte".

Daß diese Widerstandsbewegung, die sich immerhin gegen den Diktator Hitler richtete, sich bei den führenden Kreisen Englands verzweifelt im ein Zeichen von politischem Verständnis, wenn nicht von Sympathie, bemüht hat, findet man ebensowenig wie einen Satz über die nationalen Widerstandsbewegungen gegen das "Europa der Diktatoren" vor dem Zweiten Weltkrieg und außerhalb desselben in der Sowjetunion, in Italien, Ungarn usw. Was würde die Autorin wohl sagen, wenn man ein Buch über das "Europa der Demokratien 1919–1945" schriebe, in dem nichts über den direkten und indirekten Einfluß der Diktatoren darauf enthalten wäre? Wilhelm Treue