"Wir werden notfalls kämpfen. Wir werden niemals vor Franco kapitulieren." Mit diesem Schlachtruf haben die Frauen von Gibraltar auf die spanische Blockade geantwortet. Der Hausfrauenbund in Gibraltar ist für Franco ein nicht weniger respekterheischender Gegner als die Geschütze der britischen Festung.

7500 Frauen von den 25 000 Einwohnern der winzigen Kronkolonie baten in einer Petition an die britische Königin um den höchsten Schutz. England ist die letzte Hoffnung, seit Spanien den gesamten Waren- und Fahrzeugverkehr über La Linea, den einzigen Landzugang zur Felseninsel, unterbrochen hat. Früchte, Gemüse und Fische müssen nun von Übersee herangeschafft werden. Noch weiß niemand, wie der Fremdenverkehr, die Haupteinnahmequelle, am Leben erhalten oder sogar noch verstärkt werden kann.

Spanien hat noch mehr Repressalien in der Hand. Zum Beispiel könnte. Franco den 7000 spanischen Arbeitern, die täglich den passieren, die Arbeit in Gibraltar untersagen. Seit August läßt er schon nicht mehr die spanischen Dienstmädchen über die Grenze. Damals wurden Gibraltars Hausfrauen zum erstenmal auf den Plan gerufen. Sie organisierten einen Notdienst, der in den Krankenhäusern und Verkaufsläden aushalf und kümmerten sich fortan selber um Haushalt und Küche. "Wenn Franco seinen Arbeitern den Zugang sperrt, werden wir in den Docks Seite an Seite mit unseren Männern schuften," versicherte Mrs. Summerfield, die Vizepräsidentin des Hausfrauenbundes.

Unter keinen Umständen wollen die Einwohner Gibraltars – eine Mischung aus Genuesen, Maltesern, Spaniern, Portugiesen und Juden – zu Spanien. Lieber bleiben sie britisch.

Im Vertrag von Utrecht hatte Spanien 1713 "für immer und ewig" zugunsten Großbritanniens auf den Affenfelsen verzichtet. Aber schon 1727 wurde der britische Stützpunkt von Philipp V. belagert, weil er "diesen Dorn im Fuße Spaniens" herausziehen wollte. Seither hat Gibraltar viele Belagerungen und Blockaden überstanden. Seine Bewohner blieben ungerührt, als vorige Woche spanische Truppen an der Grenze aufmarschierten und in der Flugschneise des britischen Militärflugplatzes ein spanisches Luftabwehrbataillon in Stellung ging.

Großbritannien will den Streit um die Zukunft Gibraltars dem Internationalen Schiedsgericht in Haag überlassen. Das Gericht müßte entscheiden, ob England den Vertrag von Utrecht richtig interpretiert, welche Rechte Spanien in der neutralen Zone zu beanspruchen hat, die im Laufe der Jahrhunderte immer kleiner wurde (siehe Karte), wie weit die Hoheitsgewässer auf beiden Seiten reichen und welche Flugrechte England besitzt.

Spanien zeigte keine große Lust, sich einem Schiedsspruch des Haager Gerichts zu fügen. Die Wogen des Nationalismus schlagen wieder einmal sehr hoch. Junge Falangisten steinigten das britische Konsulat in Barcelona. Sogar die Gegner Francos im Untergrund wollen Gibraltar zurückgewinnen.

Die britische Regierung bleibt ebenso hart, zumal sie von den Einwohnern Gibraltars, vom linken Flügel der Labour-Partei und von den Konservativen unter Druck gesetzt wird. Einige hatten Wilson bereits in Verdacht, er wolle Gibraltar den USA zuliebe "verhökern".