Billiger als zunächst erwartet wird die Bayerische Motoren Werke AG, München, in den Besitz der Hans Glas GmbH in Dingolfing kommen. Als vor über zwei Monaten die ersten Kontakte angeblich auf Wunsch der bayerischen Regierung geknüpft wurden und trotz aller Dementis von Anfang an eine volle Integration zur Debatte stand, da waren noch höhere Beträge als die 10 Millionen Mark, die jetzt als Kaufpreis fixiert wurden, im Gespräch. Es ist eine bittere Erkenntnis, daß die Ungewißheit über das Schicksal der niederbayerischen Autofabrik die Autokäufer verschreckt hat.

Auch für BMW bedeutet die Übernahme der durch den Bestellrückgang angeschlagenen Glas GmbH gewiß ein höheres Risiko als der Kauf einer intakten Firma, die Glas nach Angaben kundiger Insider bis Juli gewesen ist. Der Vorteil des niedrigeren Kaufpreises ist also, wie man sagen möchte, teuer erkauft. BMW kann kaum mehr ein Interesse daran gehabt haben, durch gezielte Indiskretionen den Wert der Dingolfinger Fabrik zu mindern. Bleibt auf die Frage, wie es dann so gekommen ist, nur die eine Antwort, daß offenbar die "Ehestifter" in den Münchner Ministerien nicht über das Fingerspitzengefühl verfügten, das nötig ist, um eine solche Transaktion ohne Schaden über die Bühne zu bringen.

Zu spät wäre es jetzt auch, eine Alternative zu dem geplanten direkten Kauf der Glas GmbH, durch BMW zu entwickeln. Auch Wirtschaftsminister Schedl, der wohl eine andere Lösung lieber gesehen hätte, muß angesichts der nahen Landtagswahlen wohl in den sauren Apfel beißen und am 8. November im Kabinett der Bürgerschaft über 50 Millionen Mark, die als Hochzeitsgeschenk in Aussicht gestellt wurde, zustimmen. Unbehagen bereitet ihm der Gedanke, daß damit der Bayerische Staat bei BMW mit insgesamt 115 Millionen Mark Kredit-Bürgschaften engagiert ist, obwohl das Aktienkapital nur 100 Millionen Mark beträgt. Unbehagen bereitet auch die Einsicht, daß BMW-Großaktionär Quandt auf solche Weise seinem liebsten Kind BMW auf Kosten des Steuerzahlers zu einer noch attraktiveren Aussteuer verhilft, die er später vielleicht einmal in die Waagschale werfen kann. Aber die Würfel sind offenbar gefallen. M. R.