Auf die Kritik Hajo Matthiesens in der ZEIT Nr. 42 am Gesetzentwurf der schleswig-holsteinischen Regierung, durch den die Pädagogischen Hochschulen des Landes zu wissenschaftlichen Hochschulen erhoben werden sollen, antwortet der Ordinarius für Neue Geschichte und Politische Wissenschaft an der PH Flensburg:

Das Zeitalter der Wissenschaft" ist keineswegs angebrochen; die Wissenschaft wird den Pädagogischen Hochschulen auch nicht "durch Gesetz verordnet", wie Hajo Matthiesen nach dem Studium des schleswig-holsteinischen Kabinettsentwurfs glaubte feststellen zu müssen.

Die eigentliche Streitfrage hinsichtlich der Lehrerbildung ist nicht der Streit um höhere und niedere Bildung, um Wissenschaft für die einen und "Nichtwissenschaft" für die anderen. Die wirkliche Streitfrage ist doch, welche Schulen und welche Lehrer wir – Staat, Gesellschaft, Parteien und Eltern – haben wollen und haben müssen.

Der künstliche Gegensatz von Universität und Pädagogischer Hochschule, von bewiesener Wissenschaft und "verordneter" Wissenschaft, verdeckt die Kernfrage, an der sich die verschiedenen Werthaltungen scheiden. Er stellt sie in den klassischen deutschen Vorurteilshorizont, in dem der Wissenschaftsbegriff zur Trennungsmarke zwischen den Bildungsklassen der Gesellschaft wird.

Der Kabinettsentwurf dagegen läßt den Gegensatz hinter sich; gewiß nicht zu früh, wie das Beispiel anderer Bundesländer zeigt. Die der Lehrerbildung und den Schulen zugefügten Schäden früherer staatlicher Restriktionspolitik für die Bildung des "einfachen Volkes" sind unter dem Druck der Lehrerverbände allmählich gemildert, keineswegs schon beseitigt worden. Noch heute macht sich eine eigentümliche Trennung der Volksschullehrerschaft von ihren Schulen bemerkbar.

Natürlich wäre es besser gewesen, wenn das neue Gesetz über die Pädagogischen Hochschulen gleich alle anachronistischen Barrieren übersprungen hätte, die der Entwicklung der deutschen Volksschule noch im Wege stehen.

Die von der Regierung in Schleswig-Holstein vorgeschlagene Lösung gibt den Pädagogischen Hochschulen einen weiteren Entfaltungsrahmen, den die Lehrerbildung zur Zeit in den Universitäten so nicht finden könnte.