Der Ertrag ist doch nur die kleine Differenzzahl zwischen den großen Zahlen für die Erlöse und die Kosten", bagatellisierte der Vorstandsvorsitzende der BASF, Professor Bernhard Timm, und begründete damit, daß er keine "verbindliche Erklärung" über den Konzerngewinn 1966 abgeben könne. Allerdings ließ er "rein rechnerisch" durchblicken, man werde wohl wieder auf einen Gewinn vor Steuern von einer runden halben Milliarde Mark kommen. Eine Bedienung des auf 1,148 Milliarden Mark erhöhten Kapitals mit der für 1965 gezahlten Dividende von 20 Prozent würde jedoch eine Steigerung der Ausschüttung um rund 30 auf 230 Millionen Mark bedeuten.

Die Beibehaltung des alten Dividendensatzes gilt demnach als nicht ausgeschlossen. Sie wird allerdings nur möglich sein, wenn gleichzeitig die Rücklagenzuweisung gesenkt wird. Hier jedoch führte Timm an: "Wir haben schließlich in diesem Jahr im Zusammenhang mit der Glasurit-Transaktion eine sehr starke Rücklagenstärkung am 166 Millionen Mark vorgenommen."

Der Ertrag der BASF-Gruppe hingegen, so steht auch im Aktionärsbrief, hat im laufenden Jahr mit dem Umsatzzuwachs nicht Schritt gehalten. "Nicht unerwartet", sagte Timm, sei der Umsatz der Gruppe in den ersten drei Quartalen um 18 Prozent – ohne Glasurit um 13,1 (9,9) Prozent – auf 3,58 Milliarden Mark gestiegen. Dabei entfielen auf die Mutter, die BASF AG, 2,61 Milliarden Mark, das waren um 13,5 (8,1) Prozent mehr als in der Vorjahrzeit. Und der Gewinn vor Steuern stellte sich in den ersten neun Monaten auf 375 Millionen Mark.

Die Tatsache, daß keine dem Umsatz entsprechende Ertragsmehrung zu erwarten ist – trotz oder gerade wegen der in den Vorjahren durchgestandenen Investitionsspitzen –, erläuterte Timm so: die Erlösminderung durch Preisrückgänge (im Schnitt 2 Prozent) hält an; die Personalaufwendungen steigen dieses Jahr um wenigstens 72 Millionen Mark; Wachstumssonderkosten entstehen durch höhere Abschreibungen, mehr Zinsen, Stillegungs- und Anlaufsaufwand; und schließlich: "Wir hatten etwas Pech." Drei Schadensfälle brachten 1 Prozent Umsatzausfall und rund 20 Millionen Mark Ertragseinbuße.

"Es wäre falsch", beteuerte er, "aus dem vorübergehenden Stagnieren des Ertrags den Schluß zu ziehen, daß in der Chemie die Wachstums- und Gewinnchancen geringer geworden sind." Nur müßten die neuen Produkte – nachdem mit 400 Millionen Mark Kostenaufwand die Umstellung auf petrochemische Basis vollzogen wurde – erst in die Blütezeit ihrer Ertragskraft hineinwachsen.

Damit in Zukunft die "kleine Differenz" zwischen Umsatz und Kosten wieder größer wird, investiert die BASF 1967 kräftig weiter – allerdings, im Gegensatz zu Hoechst und Bayer, ohne zur Kasse zu bitten. Wieder sind rund 14 Milliarden Mark vorgesehen – mit 600 Millionen Mark erstmalig mehr bei den Beteiligungen als in Ludwigshafen selbst. bo