Der Spitzenpreis von 4080 Mark wird für eine Luxus-Single-Kabine mit Badezimmer verlangt. Ihre Einrichtung entspricht annähernd dem Stil westeuropäischer Passagierschiffe, abgesehen vielleicht davon, daß die Wasserleitungen nicht verdeckt verlegt sind. Andererseits ist ein großer Radioapparat mit Plattenspieler angeschlossen.

Zur Einrichtung der sowjetischen Schiffe, der Aufenthaltsräume vor allem, sagte einer der schwedischen Reisebüroleute: "Stil der Helgoland-Schiffe Mitte der fünfziger Jahre."

Das Essen wird möglicherweise auf den Kreuzfahrten des schwedischen Charterers keinen Anlaß zu Klagen geben. Er nimmt außer einem schwedischen Koch noch ungefähr ein halbes Hundert Skandinavier an Bord. Von den 300 Mann Besatzung sind also die meisten Mitglieder Russen. Neckermann hat kein deutsches Küchenpersonal an Bord, sondern nur zwölf Reiseleiter. Die Besatzung und die Stewards sind Russen. Deutsche Reisebürofachleute halten es für sehr wichtig, daß die Sowjets, was das Essen betrifft, westlichen Bedürfnissen entgegenkommen. Im übrigen können sie damit rechnen, daß die deutschen Passagiere so sachlich und bescheiden reagieren wie die Teilnehmer auf sowjetischen Schiffen vor einem Jahr. Sie erklärten, sie hätten den Gegenwert für ihr Geld bekommen und Gebiete gesehen, in die sie sonst nicht gekommen wären. Sie vermerkten positiv, daß die Passagepreise auch die Trinkgelder enthielten, jene auf allen Schiffen der traditionellen Schiffahrtsnationen gefragten und gefürchteten Tips.

Schwimmbad mit Bar, Stabilisatoren britischer Herkunft werden auf der "Alexander Puschkin" jetzt in Riga eingebaut. Kino und andere Unterhaltungen für den umworbenen Seetouristen, der immer anspruchsvoller wird, sind vorhanden. Im Gymnastikraum fand einer der schwedischen Reederei-Agenten sogar westliche Erzeugnisse: Punchingball, Rudergerät und Zimmerfahrrad, mit denen die Gäste überflüssige Pfunde abstrampeln können.

Eines müssen die Passagiere allerdings können: lesen. Nicht gerade die kyrillischen Buchstaben an Bord, die an allen wichtigen Stellen durch englische Bezeichnungen ergänzt sind. Vielmehr bereits in den Prospekten. Sowohl Neckermann als auch die Schweden schreiben ehrlich in ihren Angeboten, daß (abgesehen von der 39-Tage-Möglichkeit bei Neckermann) sich die Passagiere nur sieben, acht oder zehn Tage in der Karibischen See befinden. Unterwegs werden Gibraltar und Casablanca oder Madeira und die Azoren kurz angelaufen.

Neckermann kann 686 deutsche Passagiere pro Reise an Bord nehmen. Die Schweden wollen es nur, auf rund 650 bringen. Lediglich 125 davon werden Deutsche sein (ein Hamburger Reisebüro ist mit dem Verkauf der Plätze beauftragt), die übrigen Schweden. (Im Liniendienst zwischen Leningrad und Kanada kann die "Alexander Puschkin" maximal 750 Passagiere befördern.) In der See-Touristik ist die Vokabel "Luxus" in den Prospekten abgenutzt und irreführend. Sie steht nur wenigen Schiffen und ihrem Service zu. Korrekt ist dagegen die Formulierung, die der schwedische Reederei-Direktor Helmer Torre gebraucht. Er spricht von Kreuzfahrten zu Volkspreisen.