Die traditionelle, normative, also wertsetzende Ethik macht sich anheischig zu erklären, welche Handlung "gut" oder "verbindlich" ist. In radikalem Unterschied dazu macht die analytische oder Metaethik keinerlei Aussagen über "gut" und "böse". Sie stellt keine Normen auf, sie beschreibt nicht einmal das faktische ethische Verhalten. Sie untersucht lediglich, was mit einem Wort wie "gut" gemeint sein kann und von welcher Art Sätze sind, in denen solche Worte vorkommen. Kurz, die Metaethik prüft ethische Urteile.

Dadurch wird es möglich, ethische Fragen weitaus präziser zu formulieren, herkömmliche Probleme neu anzupacken und vor allem – wovon seltsamerweise auf dieser Sitzung nicht die Rede war – als Tatsachenfeststellungen verkappte Wertaussagen,-die nicht nur in der Philosophie von großem Übel sind, zu entlarven.

Wenn es um die Sprache der Politik geht, dann lockert sich auch die anstrengende philosophische Terminologie auf. Hermann Lübbe aus Bochum zeigte, daß in der Politik der Streit um Worte, den man nach Aristoteles vermeiden soll, unvermeidlich, ja geradezu notwendig sei. An einer Fülle drastischer und plastischer Beispiele, an denen ja auf diesem Feld kein Mangel ist, versuchte er den Streit um Worte als ein Mittel kenntlich zu machen, durch welches politische Begriffe "Aktionscharakter" erhalten und für viele Zwecke verfügbar werden. Dabei wird gerade durch Ungenauigkeit, Verschleierung und Unverständlichkeit (Beispiel: Zahnpasta mit "Wirkstoff 18") die beabsichtigte Wirkung erzielt.

Hier war nur von der Funktion der politischen Sprache die Rede, durch die sie für Reklame- und Propagandazwecke sich als nützlich erweist. Über diese Struktur der politischen Sprache hat uns die Soziologie, die Psychologie, vor allem aber die Presse- und Rundfunkkritik aufgeklärt. Wie aber hätten Politiker unter sich über jene politische Sprache zu diskutieren, durch die politische Entscheidungen herbeigeführt werden sollen? Wie, mit anderen Worten; hätten Politiker Sprachkritik zu treiben?

Der eigene philosophische Jargon, den Gadamer zu Anfang des Kongresses schon ins Gedächtnis gerufen hatte, wurde nicht explizit Thema der Diskussion. Und manches Mal schien sich zu bestätigen, was ein Gast aus England, Michael Polanyi, Naturwissenschaftler, Soziologe und Philosoph, in seinem geistreichen Vortrag verfocht: daß nämlich der ausdrücklich auf die Sprache selbst gerichtete Blick die Sprache undurchsichtig mache, zu einem Objekt, hinter dem sich die Bedeutung dann verberge.

Viele Philosophen sehen ein großes Ziel der Philosophie in der Begründung einer allgemeinen Wissenschaftssprache, einer schon von Leibniz konzipierten lingua universalis, über deren Entwicklungsstufen Hans-Werner Arndt (Göttingen) informierte.

Davon allerdings sind die Philosophen, wenigstens die deutschen, noch weit entfernt. Auf den verschiedenen Kolloquien und Sektionen redeten die deutschen Philosophen denn auch in zahlreichen Zungen, mal existenzphilosophisch, mal phänomenologisch, mal logizistisch oder auch dialektisch. Für den Beobachter, der die Sektionen "durchkreuzt", sind es jedesmal andere Welten, andere Sprachwelten. Manchmal wünschte er sich dann doch eine Reduktion der Sprache auf eine bloß äußerliche Mitteilungsfunktion, wie sie Johannes Lohmann in seiner Untersuchung des geschichtlichen Aspektes des Sprachproblems freilich zu recht kritisierte. Und sind nicht überdies – mit dem Präsidenten der Allgemeinen Gesellschaft für Philosophie, Gadamer, zu sprechen – sind nicht Vielheit und Vielfalt Momente der condition humaine?

Sie sind es, aber in der Wissenschaft, in der es um Erkenntnis, nicht um Ästhetik geht, verwirren Buntheit und Farbenpracht. Hier, wo Kommunikation wichtigste Voraussetzung zur Entdeckung einer intersubjektiven Wahrheit ist, wäre eine lingua universalis eine wahre Wohltat.