Vor der Fusion mit BMW hat die Automobilfirma Glas ihr letztes und zugleich interessantestes Modell ihres Programms in eigener Regie auf den Markt gebracht: den Glas 2600 V8. Seit dieser Wagen Anfang 1966 auf der Frankfurter Automobilausstellung Aufsehen erregte, warten die Freunde des Autosports auf die Neuschöpfung aus Dingolfing. Wir hatten die Möglichkeit, mit einem der ersten Wagen, die vom Werk geliefert wurden, zu fahren. Er kostet 19 400 Mark (ab Werk).

Die bestechend schöne, von dem Italiener Pietro Frua entworfene Karosserie ist zweifellos eine der gelungensten im Automobilbau der Welt. Aus der betont niedrigen Gürtellinie erhebt sich die vorn und hinten flach abfallende "Glaskanzel" mit großer Panorama-Windschutzscheibe, die nicht nur aerodynamisch vorteilhaft ist, sondern dem Fahrzeug auch viel "Rasanz" und Eleganz verleiht. Die größte Höhe des Autos beträgt 1380 Millimeter. Die sich nach vorn senkende Motorhaube gestattet eine hervorragende Sicht in Fahrtrichtung. Leider kann das große Rückfenster nicht voll für die Sicht ausgenutzt werden, weil der Rückspiegel zu klein ist. Er müßte wesentlich breiter sein, damit der Fahrer mit einem Blick die Situation hinter sich erfassen kann. Je schneller das Auto,um so besser müssen die Sichtverhältnisse sein.

Durch zwei sehr breite Türen, die sich weit öffnen, kann man gut einsteigen, wenn man nicht gerade zu groß ist. Die Vordersitze werden, um das Einsteigen in den Fondraum zu erleichtern, nach vorn gehoben. Der Raum für die Beine ist auf den Rücksitzen allerdings ein wenig knapp, zumal dann, wenn die Vordersitze weit nach hinten verstellt wurden. Die schaumgummigepolsterten Sitze sind körpergerecht geformt und ausgesprochen behaglich. Über dem Kardantunnel vorn ist ein Ablagefach angebracht, das dem Fahrer gewiß gute Dienste tun wird. Im Fond grenzt dieser Tunnel die beiden Sitzplätze stark voneinander ab. Wenn das Werk also schreibt, der V 8 sei ein bequemer vier- bis fünfsitziger Tourenwagen, dann kann das nur so gemeint sein, daß gelegentlich auch fünf Personen für kurze Strecken im Wagen Platz finden können, vorausgesetzt, die drei Personen im Fond sind schlank. Im übrigen war es auch nicht der Sinn der Neukonstruktion, eine bequeme Reiselimousine für fünf Personen zu schaffen, denn davon gibt es auf dem Automobilmarkt mehr als genug. Der V 8 von Glas sollte ein schneller, schnittiger Sportwagen der Grand-Tourisme(GT)-Klasse sein, der seine Freunde unter Sportwagenfahrern finden wird, für die ein Zweisitzer – etwa, weil der "Sportfex" Familienvater wurde – zu klein geworden ist. Der V 8 schließt hier also eine Lücke zwischen dem zweisitzigen Sportwagen und einer viersitzigen Limousine. Das heißt: Er ist ein echter "GT", in dem aber vier Erwachsene oder zwei Erwachsene und drei Kinder bequem sitzen können.

Seine Spitzengeschwindigkeit beträgt 200 km/st, und er beschleunigt in 9,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/st. Der tiefliegende Schwerpunkt, ein Querstabilisator und Teleskopstoßdämpfer mit Doppelwirkung an der Vorderachse, sowie die spurfeste Hinterachse, deren Antriebsgelenkwellen schwingen und zusammen mit Längsfedern und Panhardstab den Wagen am Boden haften lassen, verleihen ihm ausgezeichnete Fahreigenschaften. Selbstverständlich kann die Federung bei einem solchen Auto, das in den Kurven geradezu an der Straßendecke "klebt", nicht so weich und "schwingungsfreudig" sein, wie bei den "klassischen" Reiselimousinen. Bei einer Geschwindigkeit von 200 km/st kommt es in erster Linie darauf an, alle Straßenunebenheiten möglichst schwingungsfrei aufzufangen und sowohl die Spurstabilität als auch die Bodenhaftung zu gewährleisten. Diese Forderungen haben die "Glas"-Konstrukteure erreicht. Sie haben zugleich, wenn man es so ausdrücken darf, die für einen GT nun einmal notwendigen "spartanischen" Federungsverhältnisse durch mehr Innenkomfort, wie weiche Sitzpolsterung, gute Motorgeräuschabdichtung, wettgemacht. Der V 8 hat sogar eine hydraulische Servö-Lenkung, einen Komfort also, der an Luxus grenzt. Es ist sehr angenehm, wenn man das Steuerrad im Stand quasi mit einem Finger bewegen kann.

Das Armaturenbrett erinnert an ein Cockpit im Flugzeug. Sieben Anzeigeinstrumente: Tachometer, Umdrehungsanzeiger, Öldruckmesser, Öltemperaturanzeiger, Uhr, Wassertemperatur- und Benzinanzeiger. Sie liegen übersichtlich vor dem Fahrer. Ringsherum ist der Innenraum gepolstert. Rechts vorn ist ein beleuchteter geräumiger Handschuhkasten, an den vom Fahrersitz heranzukommen jedoch schwierig ist, weil er sehr tief unter dem Armaturenbrett liegt.

Ein roter Zugknopf am Armaturenbrett oberhalb der Lenksäule, der sogenannte Sicherheitsblinker, erweckt Aufmerksamkeit, denn er ist, soweit uns bekannt, neu im Autobau. Wenn man ihn zieht – auch bei stehendem Motor und ohne eingeschaltete Zündung – blinken alle vier Blinker am Fahrzeug zugleich. Dies ist ein guter Einfall, der dem Fahrer bei nächtlichen Zwangspausen auf verkehrsreichen Landstraßen und Autobahnen gewiß ein willkommenes Hilfsmittel für seine Sicherheit sein wird.

Erwähnenswert bei dem V 8 sind die Scheibenbremsen an allen vier Rädern, die in Verbindung mit dem Zweikreis-Servo-Bremssystem hervorragend wirken. Wir machten eine harte Bremsprobe auf der Autobahn bei einer Geschwindigkeit von 150 km/st, und der Wagen rührte sich nicht aus der Spur. Als sehr angenehm empfanden wir auch den neuartigen Blinkhebel links unterhalb des Steuerrades. Mit ihm kann man den Blinker, die Lichthupe, die Scheibenwischer mit zwei Geschwindigkeiten sowie das Fern- und Abblendlicht bedienen. Der Wendekreis des Fahrzeugs beträgt 10,5 Meter. Unter der niedrig gehaltenen Motorhaube vermutet man auf den ersten Blick keine Achtzylindermaschine. Doch schon beim Anfahren wird offenkundig, daß dieser sehr rationell untergebrachte gewaltige Motorblock über ungeheure Pferdestärken verfügt. Drei Doppelvergaser versorgen die acht Zylinder mit dem nötigen Luft-Kraftstoff-Gemisch. Die 150 PS starke wassergekühlte V-8-Maschine verbraucht dabei nur 11,5 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer. Der Tank faßt achtzig Liter. Wenn die Anzeigenadel auf Reserve steht, sind noch sieben Liter vorhanden. Das reicht für 60 Kilometer Fahrt. Sechs Liter Öl schluckt beim Ölwechsel das Kurbelgehäuse des V-8-Superwagens. Bei der relativ niedrigen Drehzahl von 5600 U/min erreicht der Motor seine volle Leistung von 150 PS.