Hamburg

Deutschlands Filmstimmen haben – wie ihre Inhaber meinen – kein Gold in der Kehle; deshalb haben sie einen Frosch im Hals. Deutschlands Schauspieler und Sprecher, die für die deutsche Synchronisation importierter Filme ausländischen Stars ihre Stimme leihen, drohen mit bundesweitem Schweigen, wenn Film und Fernsehen nicht mit sich reden lassen.

Für sie ist Reden Silber; doch die bisherige Gage genügt ihnen nicht mehr. "Wir wollen nicht länger vom Wirtschaftswunder vergessen sein", klagt der Münchner Schauspieler und Regisseur K. E. Ludwig, Sprecher der soeben gegründeten Interessengemeinschaft der "Geisterstimmen", des "Bundes für Film- und Fernsehschaffende."

In der ersten Woche nach seiner Gründung hat der Bund zunächst einmal die Kollegen von der Berechtigung seiner Forderungen überzeugt: 600 Künstler sind dem Bund bereits beigetreten. Zu ihnen zählen bekannte Schauspieler, wie Gustav Knuth, Richard Münch und Hans Lothar. Sie alle arbeiten – nebenbei – als Sprecher in Synchronisationsbetrieben. Und sie alle meinen, ihre Arbeit sei zu schlecht bezahlt. Die Künstler wünschen eine Erhöhung ihrer Bezüge um ungefähr 40 Prozent. Bisher war es üblich, daß jeder Synchronsprecher sein Honorar selbst aushandelte. Dabei richtete sich die Höhe nach Popularität und Erfahrung des Schauspielers. Versierte und bekannte Sprecher erreichten eine Tagesgage von 500 Mark und mehr; das Gros begnügte sich allerdings mit 250 Mark.

Statt individueller Abmachungen will der Bund nach amerikanischem Vorbild feststehende Honorarsätze durchsetzen. In Amerika zahlt man seit langem einen bestimmten Tagessatz, zu dem eine Pauschale für jede gesprochene Szene oder jeden Szenenausschnitt – in der Fachsprache "take" genannt – hinzukommt. Die deutschen Sprecher wollen in Zukunft eine Antrittsgage von hundert Mark und fünf Mark für jeden "take" verlangen.

In der vergangenen Woche teilten die Sprecher diesen Entschluß den deutschen Filmmanagern mit und drohten, sie würden streiken, sollte die Filmindustrie ihre Bedingungen nicht erfüllen.

Die Reaktion der Verhandlungspartner auf die Forderungen war unterschiedlich. Zurückhaltend äußerte man sich bei den Synchronbetrieben. Eines der größten Unternehmen, das Studio Hamburg, gab an, daß es bereit sei, mit jedem qualifizierten Synchronsprecher über eine höhere Gage zu verhandeln. Hier, wo jährlich die deutsche Fassung von ungefähr 250 Spiel- und Fernsehfilmen gesprochen wird, erkennt man die künstlerische Arbeit der Stimmenvertreter durchaus an.