Schwindel mit Ferienglück – Seite 1

Von H. F. Milikin

Der Deutschen unheimlicher Drang nach dem sonnigen Süden war früher ein weltbewegender Faktor der Geschichte; heute bietet er statt dessen einer Reihe von Schwindelfirmen ein außerordentlich ergiebiges Feld der Betätigung.

Da hat es luftige Reisebüros gegeben, die ein Flugzeug voller Urlauber auf irgendeine Insel im Mittelmeer brachten, und das Konsulat mußte die Sonnenhungrigen wieder nach Hause schaffen.

Da gibt es Dutzende von deutschen, amerikanischen, panamesischen und weiß Gott was sonst für Immobilienfirmen, die den sonnensüchtigen Bundesbürgern das blaue Himmelreich in Florida, an der Costa Brava, am Lido oder an der Riviera vor Augen zaubern und ihre Kunden dann mit einer weg- und wasserlosen Parzelle im Niemandsland beglücken.

Und da gibt es vor allem die Superschwindler der Sonnenbranche, die Tausende von Anteilscheinen verkaufen mit Anrecht auf kostenlosen Aufenthalt in Ferienheimen auf dem Mond.

"Je länger wir ermitteln, desto schwindliger wird mir", erklärte Ende März 1966 der Frankfurter Staatsanwalt Listmann, in dessen Händen die tollste Affäre dieser Art, der Bankrott der Investmentfirma Vacanza liegt. Wenn einem Staatsanwalt schwindlig wird, dann müssen schon wirklich schwindelerregende Schwindler am Werk gewesen sein. Das ist hier der Fall.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ist auf die Bekämpfung der Schwindelunternehmen in der Bundesrepublik spezialisiert, da diese eine ausgesprochene Vorliebe zur Niederlassung in der Main-Metropole gezeigt haben. Seit dem Herbst 1964 stehen auf ihrer "schwarzen Liste" mehrere sogenannte Investment-Trusts für Ferienobjekte. Die meisten dieser windigen Unternehmen entzogen sich allerdings von Anfang an der Strafverfolgung durch die deutschen Behörden, indem sie sich pro forma in der Schweiz niederließen – auch wenn sie ihre Geschäfte hauptsächlich im Frankfurter Raum betrieben.

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Dazu meint die Frankfurter Kriminalpolizei: "Die strengen Schweizer Gesetze garantieren, daß Schweizer Banken grundsätzlich keine Auskunft über finanzielle Transaktionen ihrer Kunden zu geben brauchen, auch nicht gegenüber den Strafverfolgungsbehörden. Unter diesen Voraussetzungen konnten die Ferienheim-Hyänen ungestört ihre dunklen Geschäfte abwickeln. Niemand kam an sie heran!" (Stuttgarter Zeitung, 19. 3. 66).

Genauso war es im Falle der "Vacanza", des einzigen größeren Unternehmens dieser Art, das bisher aufgeflogen ist – wenn auch verschiedene andere noch auf der Warteliste stehen.

Gegründet wurde die "Vacanza" Anfang 1965 von dem Frankfurter Geschäftsmann und "Generalkonsul" Heinrich Heuer, 52 Jahre alt, der auch noch durch eine andere Affäre von sich reden gemacht hat. Heuer wurde nämlich im Herbst 1965 von der Frankfurter Kripo verhaftet, weil er versucht hatte, in Deutschland Söldner für den zentralafrikanischen Herrscher Mwami Mwambusta von Burundi anzuwerben. Am 8. November wurde Heuer wieder auf freien Fuß gesetzt.

Bei der Gründung seines von Anfang an zwielichtigen Unternehmens verlegte Heuer, angeblich nur aus steuerlichen Gründen, gleich den Firmensitz nach Genf, wo sich auch sein schwarzer Gönner, der König von Burundi, aufzuhalten pflegt. Vorsichtshalber wurde zwischen die von Heuer in Genf aufgezogenen Vacanza S. A. und den eigentlichen Geschäftsbetrieb in Frankfurt (den Heuers Frau leitete) noch eine Holdinggesellschaft eingeschaltet, nämlich die Vacanza Holding, Basel.

Dann machte sich Heuer an die Arbeit. Er ließ zwischen 150 000 und 180 000 Anteilscheine zu je 100 Franken mit der Aufschrift Vacanza-Anlagefonds, drucken und bot sie vor allem in der Bundesrepublik zur Zeichnung an. Dabei spekulierte er, durchaus richtig, auf eine gewisse Mentalität, die Millionen deutscher Urlauber kennzeichnet: sie verdienen das ganze Jahr hindurch gut, so daß ihnen ein Tausender recht locker in der Tasche sitzt, wenn’s um das Ferienvergnügen geht. Aber, man kann doch nie wissen, wie der Urlaubsetat im nächsten oder übernächsten Jahr aussieht. Da käme ein Gratisauf enthält in schöner Umgebung doch wohl’sehr gelegen. Immer wieder fallen selbst sonst gescheite Leute auf die Verlockung des magischen Wortes "kostenlos" herein.

Den Urlaubsfreudigen wurde vorgespiegelt, daß sie die Wahl zwischen zwei guten Dingen haben würden: entweder ein Anrecht auf sechs Prozent Dividende, oder aber – für jeden Anteilschein – eine Woche Gratisurlaub mit Familie in einem Feriendorf, Chalet, Hotel oder Motel, das die Gesellschaft mit den eingezahlten Geldern zu erwerben versprach.

Mit gleisnerisch bunten Prospekten gingen die Vacanza-Werber hausieren: "Ihr Ferientraum wird Wirklichkeit!" stand auf einem zu lesen und weiter: "In den schönsten Feriengebieten Europas und Afrikas durch Erwerb von Ferien-Zertifikaten." Zu eindrucksvoller Illustration zeigte ein Prospekt das Panoramabild eines Luxusbungalows am Genfer See. Später stellte sich heraus, daß diese Traumvilla das Privateigentum von "Konsul" Heuer war und von diesem niemals der "Vacanza" zur Verfügung gestellt worden war. Andere Prospekte waren mit Bildern von Ferienobjekten geschmückt, die nachweislich Firmen gehörten, die mit "Vacanza" nichts zu tun hatten. In insgesamt 35 Ländern sollten die Erwerber von "Vacanza"-Zertifikaten kostenlos Urlaub machen dürfen. Tatsächlich hatte die Firma, wie sich nachher herausstellte, zu keinem Zeitpunkt auch nur ein einziges Grundstück oder Gebäude in ihrem Besitz, das zum Ferienaufenthalt geeignet gewesen wäre.

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Daß die Anteilscheine in Deutschland reißenden Absatz fanden, lag nicht zuletzt daran, daß sie sehr vertrauenerweckend aufgemacht waren. "Die Anlagefonds sahen so solide aus wie eine VW-Aktie", erklärte ein Erwerber seinen Kostspieligen Irrtum. "Vacanza" gab sich den Anstrich besonderer Seriosität, indem sie den Anteilscheinen den Namen der bekannten Genfer Treuhandfirma Rhodania, S.A. als Garant aufdrucken ließ. Was es damit für ein Bewenden hatte, erklärte ein Sprecher der Rhodania der Baseler Nationalzeitung Mitte März 1966 wie folgt:

"Die Herren von der Vacanza sind zu uns gekommen und haben uns gebeten, die Treuhandschaft über ihre Geschäftstätigkeit zu übernehmen. Die Verhandlungen zogen sich in die Länge, weil uns verschiedene Punkte dunkel erschienen. Inzwischen haben aber die Vacanza-Leute bereits die Zertifikate in Druck gegeben und uns darauf als Treuhänder genannt. Die Zertifikate wurden dann, ohne uns zu benachrichtigen, beim Drucker abgeholt und in Umlauf gebracht. Sobald wir davon hörten, haben wir von uns aus Klage eingereicht. Schon im November 1965 belief sich der? Schaden nach unseren Schätzungen auf 1,5 bis 2 Millionen Franken. Jetzt ist er wahrscheinlich viel höher."

Die faulen Zertifikate gingen im ganzen Bundesgebiet weg wie warme Semmeln; von einigen besonders Leichtgläubigen wurden sie sogar en masse gekauft. So erwarb z. B. ein Kaufmannsehepaar in Stuttgart nicht weniger, als 100 solche Anteilscheine und zahlte darauf über 100 000 Mark, denn zu diesem Zeitpunkt war der Verkaufspreis der Zertifikate wegen angeblich "erhöhter Kosten" auf 1255 DM gestiegen.

"Jetzt können wir damit unsere ganze Wohnung tapezieren", meinte die Frau betrübt, nachdem sich herausgestellt hatte, daß die ganzen Aktien nicht mehr wert waren als bunt bedrucktes Papier.

Zu den vielen Ungereimtheiten der Vacanza-Affäre gehört, daß sich ihr Gründer Heuer schon wenige Monate nach dem Start des Unternehmens ohne ersichtlichen Grund daraus zurückzog und die weitere Leitung zwei Frankfurter Geschäftsfreunden, Bruno Przetak und Walter Kutz, übergab.

Dabei soll er sich angeblich, anstatt mit Bargeld, mit Vacanza-Anteilscheinen haben abfinden lassen, obwohl doch schließlich niemand besser als er selbst wußte, daß diese keinen Pfennig wert waren.

Richtigen Schwung bekam das Geschäft erst, als sich die beiden neuen Manager ans Werk machten. Über die Art ihrer Betriebsführung berichtete später ein enger Mitarbeiter Przetaks: "Als ich zur Vacanza stieß, im Laufe des Jahres 1965, war der ganze Bürobetrieb ein einziges unüberschaubares Chaos. Niemand wußte genau, wieviel Anteilscheine überhaupt verkauft waren, niemand hatte einen Überblick über die Summen, die eingingen. In der Bundesrepublik waren wilde Kolonnen unterwegs, die Anteilscheine wie Zeitungsabonnements verkauften." (Münchner Abendzeitung, 19. 3. 66).

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Die neue Geschäftsleitung besorgte sich auch ein "Paradepferd", den Prinzen Rudolf von Hohenlohe-Langenberg, der gegen ein Monatsgehalt von 4000 Mark dem zwielichtigen Unternehmen den Glanz seines Namens verleihen sollte. Der Prinz merkte aber bald, was gespielt wurde und zog sich schon nach vierzehn Tagen zurück.

"Mir wurden die Pläne und die Arbeitsweise von Herrn Przetak unheimlich", erklärte er später. "Ich merkte, daß das Unternehmen nicht seriös geführt wurde. Deshalb bin ich schleunigst wieder ausgestiegen" (Bild am Sonntag, 27.3.66).

Die erste formelle Betrugsanzeige ging am 2. August 1965 bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft ein. Sie kam von der Warentestzeitschrift "DM", die bei Recherchen über die vielfach zweifelhaften Angebote auf dem Markt der Ferienobjekte in diesem Fall besonders schwere Verdachtsmomente ermittelt hatte. Da die Staatsanwaltschaft selbst schon seit etwa einem Jahr "auf der Lauer" lag, lief nun sofort eine Untersuchung an.

Dabei ging die Staatsanwaltschaft allerdings sehr behutsam vor. Bis zur Stunde ist in der Angelegenheit noch kein einziger Haftbefehl erlassen worden, was damit begründet wird, daß alle Verdächtigen einen festen Wohnsitz in der Bundesrepublik haben und kein Fluchtverdacht zu bestehen scheint.

Auch die Finanzabteilung, der Genfer Polizei trat in dieser Angelegenheit schon im Herbst 1965 in Aktion. Ihr erster Schritt war, einen Ausweisungsbefehl gegen Heuer zu erwirken, obwohl der Genannte zu diesem Zeitpunkt (Oktober 1965) nach außen hin gar nichts mehr mit "Vacanza" zu tun hatte. Trotzdem soll Heuer nach Presseberichten danach noch mehrmals in seinem von einem französischen Piloten gesteuerten Privatflugzeug "geschäftlich" in Genf gewesen sein.

Als dann am 13. Dezember 1965 die Schweizer Aufsichtsratsmitglieder der Firma zurücktraten, und kein Ersatz in Aussicht stand, war guter Rat teuer. Denn ohne Schweizer Bürger im Aufsichtsrat durfte "Vacanza" nach den Landesgesetzen nicht länger ihren Geschäftssitz in der Schweiz haben. So mußte die dortige Gesellschaft am 17. Januar 1966 in Liquidation treten. Als die Herren Kutz und Przetak kurz darauf in Genf auftauchten, um einen letzten Rettungsversuch zu unternehmen, wurden sie von der Schweizer Polizei vorübergehend festgenommen, verhört und danach des Landes verwiesen.

Nun kam es in der deutschen Zentrale des Unternehmens zu einer heftigen Auseinandersetzung, die damit endete, daß Präsident Przetak am 17. Februar 1966 von seinem Kompagnon Kutz ausgebootet wurde und dieser selbst die Leitung des schon schwer angeschlagenen Unternehmens übernahm.

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Grund des Zerwürfnisses waren die hochfliegenden Pläne Przetaks, von dem einer seiner damaligen Mitarbeiter sagte: "Er muß angesichts des vielen Geldes, das täglich hereinkam, übergeschnappt sein. Er ist größenwahnsinnig geworden!" (Abendzeitung, 19. 3. 66). Przetaks "Giößenwahnsinn" äußerte sich auf verschiedene Weise. Beispielsweise gab er einer Kleiderfabrik 40 000 Uniformen in Auftrag, die das Personal seiner zukünftigen Motel-Kette tragen sollte. Dabei besaß Vacanza zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal einen einzigen bescheidenen Ferienbungalow.

Przetak träumte auch davon, in Europa und Übersee 80 Großeinkaufszentren in der Größe des Rhein-Main-Centers zwischen Frankfurt und Wiesbaden zu bauen. Woher das Geld dafür kommen sollte, verriet er seinen Partnern nicht.

Auch Kutz konnte das verfahrene Unternehmen nicht wieder auf die rechte Spur bringen. Anfang März 1966 wurde das Konkursverfahren gegen die beiden Schweizer Teilstücke eröffnet, gleichzeitig liefen auch bei einem Frankfurter Gericht zwei Gläubigeranträge auf Konkurseröffnung ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Bundespost den Telephonanschluß des Frankfurt ter Büros wegen unbezahlter Rechnungen schon gesperrt.

Kaum war der Zusammenbruch offenkundig, so wurde es auch klar, daß die meisten Anteilzeichner wenig Aussicht hatten, einen Pfennig ihrer Einlagen zurückzubekommen, oder jemals den versprochenen Gratisurlaub genießen zu können. "Von Aktiven gibt es keine Spur", berichtete die Genfer Polizei an die deutsche Interpol-Zentrale in Wiesbaden. Danach nahm Staatsanwalt Listmann in Frankfurt auch kein Blatt vor den Mund: "Es ist nahezu aussichtslos, daß die Zeichner ihr Geld je wiedersehen. Das ganze ist ein riesiger Betrug."

Allerdings ließ der Urheber des ganzen Elends, Heuer, Ende März 1966 durch seinen Rechtsanwalt erklären, er sei bereit, diejenigen Käufer von "Vacanza"-Zertifikaten, die noch zu seiner Zeit ihre Anteile erworben hatten – also vor dem 23. Juni 1965 – aus seinem Privateigentum schadlos zu halten. Zu diesem Zweck will Heuer dem Konkursverwalter Grundbesitz in der Schweiz im Werte von drei Millionen Mark zur Verfügung gestellt zu haben.

Diese Summe reimt sich jedoch gar nicht mit einer früheren Erklärung Heuers, die er am 17. März abgab, wonach er selbst vor seinem Ausscheiden aus der Firma nur 600 Zertifikate zu je 1000 Schweizer Franken verkauft habe. Warum sollte er dann mehr als den fünffachen Betrag ersetzen wollen?

Auch ein anderer Verkäufer von Vacanza-Zertifikaten, der Frankfurter Druckereibesitzer Kurt Hechinger, hat sich nach einem Bericht der Stuttgarter Zeitung (21. März 1966) bereiterklärt, aus eigenem Vermögen für die von ihm verkauften Anteilscheine geradezustehen. Hechinger hatte in seiner Druckerei für die Vacanza Farbprospekte im Wert von 300 000 Mark gedruckt, statt Bargeld aber 400 Zertifikate zum eigenen Verkauf erhalten. Um diese Anteilscheine absetzen zu können, gründete Hechinger eine besondere Gesellschaft Zertifikatsvertriebs GmbH, kurz Zertat genannt, und setzte über diese 71 Anteilscheine ab.

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"Die Besitzer sollen ihre Urlaubsansprüche in einem Feriendorf von hundert Bungalows abwohnen, das Hechinger in diesem Jahr auf einem 60 000 Quadratmeter großen Landbesitz in Bayern bauen lassen will", so heißt es in dem oben zitierten Bericht.

Das klingt reichlich ungewiß und muß als noch zweifelhafter erscheinen wenn man bedenkt, daß gegen Hechinger, nach Angaben der Frankfurter, Handelsauskunftei creditreform, in der Zeit vom 12. Dezember 1963 bis 7. Oktober 1965 viermal Haftbefehl zur Erzwingung, des Offenbarungseides erlassen worden ist (Frankfurter Rundschau, 24. März 1966).

Noch ist die ganze Affäre weitgehend in Dunkel gehüllt. Unerfindlich bleibt vor allem, angesichts der völlig fehlenden Konkursmasse, wohin die Millionen Mark beziehungsweise Franken, die für die wertlosen Zertifikate gezahlt worden sind, ihren Weg genommen haben.

In diesem Zusammenhang muß noch einer anderen Kategorie von Sonnensuchern Erwähnung getan werden, die auch immer wieder skrupellosen Geschäftemachern auf den Leim geht.

Viele, sehr viele Deutsche haben in den letzten Jahren ihre Ersparnisse dazu benutzt, im Ausland Grund und Boden zu kaufen, wobei vor allem die Sonnenländer (Spanien, Italien, Griechenland, Südfrankreich, der Tessin sowie der US-Bundesstaat Florida) bevorzugt werden. Bei den meisten Erwerbern solcher Grundstücke spielen neben dem Traum vom sonnigen Lebensabend auch noch steuerliche und währungspolitische Erwägungen mit.

Inzwischen haben schon zahlreiche Käufer Muße genug gehabt, ihre Kapitalsanlage im sonnigen Ausland wieder zu bereuen. Das liegt vor allem daran, daß auch auf diesem Gebiet so viele Interessenten den Versprechungen farbenfroher Prospekte und mundgewandter Acquisiteure blind vertrauen und die Katze im Sack kaufen. Das gilt vor allem für den Grundstückserwerb in Florida, bei dem eine Besichtigung an Ort und Stelle durch die große Entfernung erschwert wird. Und gerade hier ist äußerste Vorsicht geboten!

Schon im Jahre 1961 stellte die amerikanische Finanzzeitschrift Forbes fest, daß auf eine seriöse Landerschließungsgesellschaft in den USA hundert windige Händler kämen. Tatsächlich trieb die Grundstücksspekulation in Florida (und daneben auch in Kalifornien) damals die tollsten Blüten. Leichtgläubigen Interessenten wurden angeblich entzückend gelegene Grundstücke "abseits vom Lärm der großen Städte" angedreht, die sich dann nach dem Verkauf – der sich selbst innerhalb der USA oft im Wege des Postversandes vollzieht – als reines Ödland entpuppten: Kein Wasser, kein elektrischer Anschluß, keine Kanalisierung, oft genug noch nicht einmal ein befahrbarer Zufahrtsweg.

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Seitdem der inneramerikanische Boom in Florida-Grundstücken vor ein paar Jahren merklich abgeflaut ist – nicht zuletzt, weil sich die Enthüllungen über unlautere Machenschaften jagten –, haben die Spekulanten einen erheblichen Teil ihrer Tätigkeit in die Bundesrepublik verlegt. Wie Die Zeit schon am 17. Januar 1964 vermerkte, strahlen "manche Angebote eine unverkennbare Unseriosität aus". Natürlich gibt es auch andere Angebote, und es gibt auch in Florida sehr begehrenswerte Grundstücke. Man kann aber ruhig sagen, daß solche für Deutsche kaum jemals "preisgünstig" zu erwerben sind, schon allein wegen des Wechselkurses von 1 Dollar = 4 Mark, der den Kaufkraftverhältnissen im allgemeinen nicht entspricht.

Neben den echten Perlen, die schandhaft teuer sind, wimmelt es von unechten, die zwar nicht viel kosten, dafür aber oft auch praktisch gar nichts wert sind. Florida ist auch heute noch ein weitgehend unerschlossenes Land, mit ausgedehnten Sumpfgebieten, die hauptsächlich von Alligatoren bevölkert sind, und riesigen, unwegsamen Ödflächen. Selbst in den Küstengebieten ist nicht alles Gold was glänzt – auch nicht der schönste Sandstrand am Meer. Wer sich beispielsweise allzunahe von Cape Kennedy ankauft, dürfte bald merken, daß die Gegend kein Ruheplatz für Geräuschempfindliche ist.

Aber auch, wer nur nach sorgfältiger Besichtigung Grundbesitz im Ausland erwirbt, glaube nicht etwa, daß er damit in jedem Fall übern Berg ist. Oft genug kommt das dicke Ende erst danach.

In der nächsten Folge: Die "Heizkesselräume" von Toronto – Atlantik verspielte Kanadas Finanzierungskredit – Auch die Ford-Foundation witterte keine Gefahr – 50 Millionen Dollar verloren?