Dazu meint die Frankfurter Kriminalpolizei: "Die strengen Schweizer Gesetze garantieren, daß Schweizer Banken grundsätzlich keine Auskunft über finanzielle Transaktionen ihrer Kunden zu geben brauchen, auch nicht gegenüber den Strafverfolgungsbehörden. Unter diesen Voraussetzungen konnten die Ferienheim-Hyänen ungestört ihre dunklen Geschäfte abwickeln. Niemand kam an sie heran!" (Stuttgarter Zeitung, 19. 3. 66).

Genauso war es im Falle der "Vacanza", des einzigen größeren Unternehmens dieser Art, das bisher aufgeflogen ist – wenn auch verschiedene andere noch auf der Warteliste stehen.

Gegründet wurde die "Vacanza" Anfang 1965 von dem Frankfurter Geschäftsmann und "Generalkonsul" Heinrich Heuer, 52 Jahre alt, der auch noch durch eine andere Affäre von sich reden gemacht hat. Heuer wurde nämlich im Herbst 1965 von der Frankfurter Kripo verhaftet, weil er versucht hatte, in Deutschland Söldner für den zentralafrikanischen Herrscher Mwami Mwambusta von Burundi anzuwerben. Am 8. November wurde Heuer wieder auf freien Fuß gesetzt.

Bei der Gründung seines von Anfang an zwielichtigen Unternehmens verlegte Heuer, angeblich nur aus steuerlichen Gründen, gleich den Firmensitz nach Genf, wo sich auch sein schwarzer Gönner, der König von Burundi, aufzuhalten pflegt. Vorsichtshalber wurde zwischen die von Heuer in Genf aufgezogenen Vacanza S. A. und den eigentlichen Geschäftsbetrieb in Frankfurt (den Heuers Frau leitete) noch eine Holdinggesellschaft eingeschaltet, nämlich die Vacanza Holding, Basel.

Dann machte sich Heuer an die Arbeit. Er ließ zwischen 150 000 und 180 000 Anteilscheine zu je 100 Franken mit der Aufschrift Vacanza-Anlagefonds, drucken und bot sie vor allem in der Bundesrepublik zur Zeichnung an. Dabei spekulierte er, durchaus richtig, auf eine gewisse Mentalität, die Millionen deutscher Urlauber kennzeichnet: sie verdienen das ganze Jahr hindurch gut, so daß ihnen ein Tausender recht locker in der Tasche sitzt, wenn’s um das Ferienvergnügen geht. Aber, man kann doch nie wissen, wie der Urlaubsetat im nächsten oder übernächsten Jahr aussieht. Da käme ein Gratisauf enthält in schöner Umgebung doch wohl’sehr gelegen. Immer wieder fallen selbst sonst gescheite Leute auf die Verlockung des magischen Wortes "kostenlos" herein.

Den Urlaubsfreudigen wurde vorgespiegelt, daß sie die Wahl zwischen zwei guten Dingen haben würden: entweder ein Anrecht auf sechs Prozent Dividende, oder aber – für jeden Anteilschein – eine Woche Gratisurlaub mit Familie in einem Feriendorf, Chalet, Hotel oder Motel, das die Gesellschaft mit den eingezahlten Geldern zu erwerben versprach.

Mit gleisnerisch bunten Prospekten gingen die Vacanza-Werber hausieren: "Ihr Ferientraum wird Wirklichkeit!" stand auf einem zu lesen und weiter: "In den schönsten Feriengebieten Europas und Afrikas durch Erwerb von Ferien-Zertifikaten." Zu eindrucksvoller Illustration zeigte ein Prospekt das Panoramabild eines Luxusbungalows am Genfer See. Später stellte sich heraus, daß diese Traumvilla das Privateigentum von "Konsul" Heuer war und von diesem niemals der "Vacanza" zur Verfügung gestellt worden war. Andere Prospekte waren mit Bildern von Ferienobjekten geschmückt, die nachweislich Firmen gehörten, die mit "Vacanza" nichts zu tun hatten. In insgesamt 35 Ländern sollten die Erwerber von "Vacanza"-Zertifikaten kostenlos Urlaub machen dürfen. Tatsächlich hatte die Firma, wie sich nachher herausstellte, zu keinem Zeitpunkt auch nur ein einziges Grundstück oder Gebäude in ihrem Besitz, das zum Ferienaufenthalt geeignet gewesen wäre.