Daß die Anteilscheine in Deutschland reißenden Absatz fanden, lag nicht zuletzt daran, daß sie sehr vertrauenerweckend aufgemacht waren. "Die Anlagefonds sahen so solide aus wie eine VW-Aktie", erklärte ein Erwerber seinen Kostspieligen Irrtum. "Vacanza" gab sich den Anstrich besonderer Seriosität, indem sie den Anteilscheinen den Namen der bekannten Genfer Treuhandfirma Rhodania, S.A. als Garant aufdrucken ließ. Was es damit für ein Bewenden hatte, erklärte ein Sprecher der Rhodania der Baseler Nationalzeitung Mitte März 1966 wie folgt:

"Die Herren von der Vacanza sind zu uns gekommen und haben uns gebeten, die Treuhandschaft über ihre Geschäftstätigkeit zu übernehmen. Die Verhandlungen zogen sich in die Länge, weil uns verschiedene Punkte dunkel erschienen. Inzwischen haben aber die Vacanza-Leute bereits die Zertifikate in Druck gegeben und uns darauf als Treuhänder genannt. Die Zertifikate wurden dann, ohne uns zu benachrichtigen, beim Drucker abgeholt und in Umlauf gebracht. Sobald wir davon hörten, haben wir von uns aus Klage eingereicht. Schon im November 1965 belief sich der? Schaden nach unseren Schätzungen auf 1,5 bis 2 Millionen Franken. Jetzt ist er wahrscheinlich viel höher."

Die faulen Zertifikate gingen im ganzen Bundesgebiet weg wie warme Semmeln; von einigen besonders Leichtgläubigen wurden sie sogar en masse gekauft. So erwarb z. B. ein Kaufmannsehepaar in Stuttgart nicht weniger, als 100 solche Anteilscheine und zahlte darauf über 100 000 Mark, denn zu diesem Zeitpunkt war der Verkaufspreis der Zertifikate wegen angeblich "erhöhter Kosten" auf 1255 DM gestiegen.

"Jetzt können wir damit unsere ganze Wohnung tapezieren", meinte die Frau betrübt, nachdem sich herausgestellt hatte, daß die ganzen Aktien nicht mehr wert waren als bunt bedrucktes Papier.

Zu den vielen Ungereimtheiten der Vacanza-Affäre gehört, daß sich ihr Gründer Heuer schon wenige Monate nach dem Start des Unternehmens ohne ersichtlichen Grund daraus zurückzog und die weitere Leitung zwei Frankfurter Geschäftsfreunden, Bruno Przetak und Walter Kutz, übergab.

Dabei soll er sich angeblich, anstatt mit Bargeld, mit Vacanza-Anteilscheinen haben abfinden lassen, obwohl doch schließlich niemand besser als er selbst wußte, daß diese keinen Pfennig wert waren.

Richtigen Schwung bekam das Geschäft erst, als sich die beiden neuen Manager ans Werk machten. Über die Art ihrer Betriebsführung berichtete später ein enger Mitarbeiter Przetaks: "Als ich zur Vacanza stieß, im Laufe des Jahres 1965, war der ganze Bürobetrieb ein einziges unüberschaubares Chaos. Niemand wußte genau, wieviel Anteilscheine überhaupt verkauft waren, niemand hatte einen Überblick über die Summen, die eingingen. In der Bundesrepublik waren wilde Kolonnen unterwegs, die Anteilscheine wie Zeitungsabonnements verkauften." (Münchner Abendzeitung, 19. 3. 66).