Die Vereinten Nationen wollen fortan selbst die direkte Verantwortung für Südwestafrika übernehmen. Die ehemalige deutsche Kolonie – Südwest – wurde 1920 vom Völkerbund als Mandatsgebiet Südafrika übergeben und steht seitdem unterseiner Jurisdiktion. Die Resolution wurde von 114 UN-Mitgliedern gebilligt, nur Portugal und Südafrika stimmten dagegen, während sich England, Frankreich und das an die Union angrenzende Malawi der Stimme enthielten. Ziel dieser UN-Aktion: Südafrika und seine Apartheidspolitik sollen isoliert werden.

Seit 1946, als Südafrika verlangte, das Mandat über Südwest solle aufgehoben werden, um das Gebiet annektieren zu können, ist diese Frage immer wieder auf der UN-Tagesordnung aufgetaucht. Der Konflikt verschärfte sich, als die Union ihre umstrittene Apartheidspolitik auf das alte Mandatsgebiet ausweitete. Zuletzt mußte sich der Gerichtshof im Haag mit Südwest befassen. Er weigerte sich allerdings aus prozessualen Gründen, eine Entscheidung zu fällen.

Damit lag die politische Entscheidung über das alte Mandatsgebiet wieder bei den Vereinten Nationen. Die jüngste Resolution hat freilich vorwiegend deklamatorischen Charakter, denn es wird kaum eine Möglichkeit geben, den Willen der UN-Mitglieder durchzusetzen. Immerhin wurde ein Sonderausschuß aus Mitgliedern eingesetzt, der bis zum nächsten April vorschlagen soll, welche praktischen Maßnahmen eingeleitet werden können, um Südwest in eigener Regie zu verwalten. H. K.