Man probiert diese Flasche, jene Flasche – 60 Sorten

Bierhalden ringsum, auch in der Mitte des Raumes, Kasten über Kasten, mannshoch, höher noch: Ich stehe in einem Supermarkt für Biertrinker mit etwa 40 000 Flaschen. Es lockt Bier aus Düsseldorf und aus Hamburg, Bier aus Donaueschingen und Mönchengladbach, aus Wuppertal und Brüssel, aus Irland und Dänemark, aus München, aus Pilsen, aus London: sechzig Sorten stehen zur Wahl.

"Der erste Getränke-Supermarkt Deutschlands!" Der Superlativ in der Kleinanzeige holte mich hierher in dieses Düsseldorfer Geschäft. Wenige Wochen zuvor diente die Halle noch als Autowerkstatt. Umstellung von Blech auf Bier ...

Bierwerbung an den weiß gekalkten Wänden, Sprüche, mit denen der Gerstensaft abgesetzt werden soll, Slogans, wiedergekäut in Zeitungen, Zeitschriften, im Fernsehen, verweisen linker Hand auf Mittel gegen eines deutschen Mannes Durst. Vis-a-vis: drei Dressmen als biertrinkende Musketiere. Dann steht der Kunde Aug’ in Aug’ mit einer fast menschengroßen Maid aus Pappmache, die im Dienste, einer skandinavischen Flüssigkeit lächelt.

Preisvergleiche gehen mir durch den Kopf, und ich finde, billiger als im Großhandel ist es hier auch kaum. Aber der große Vorteil ist: nicht zwischen drei, vier oder wenn’s hoch kommt einem halben Dutzend Bieren kann ich wählen, sondern unter sechzig. Kastenweise wird verkauft. Die Preisspanne: zwischen zehn und 32,80 Mark. Wen kümmert es da, daß es aussieht wie in einem Hinterhof-Lager: Holzkästen, Plastickästen, Kartons, Leergut...

Es bedient Herr Meyer, der Inhaber. Helmut Meyer kam so zu dieser Gründung: "Vor sechs Jahren hatte ich die Idee mit dem Biertaxi. Ich lieferte den Leuten ihr Getränk in die Wohnung; damals und auch heute noch. Inzwischen habe ich vier Biertaxi-Fahrer angestellt. Mit dem Supermarkt setzte ich die Arbeit fort. Bierliebhaber können selber hierher kommen, ich liefere ihnen aber auch alles in die Fernsehstube."

Das Biertaxi war ein großer Erfolg. Meyer zitiert mit der Geduld eines Repetitors zweimal voller Stolz den Reklamevers, den er ins Telephonbuch hat einrücken lassen: "Bier Taxi. Immer aktuell und blitzschnell, Über 30 Sorten Bier. Ruf: .. .04." Kampf ums Bier. Er reicht inzwischen sogar bis zum Deutschen Patentamt in München, denn Meyer will den Begriff "Biertaxi" schützen lassen. Bisher vergeblich.