Das Geheimnis dieser stupenden Aufführung liegt in der Sprachregie. Indem sie immer wieder zum Leisen zurückfand, kamen die bewußt banal formulierten Vergegenwärtigungen und Aggressionen des Bearbeiters Sartre zur Geltung. Durch souveräne Kunst der Zäsur, der Sprachpause als Absprung zum Ausbruch, spielte der Regisseur aber auch die tragische Emphase bravourös aus. Seine Lösung des allezeit heiklen Chorproblems gehört zum besten, was man in dieser Hinsicht seit vielen Jahren auf deutschen Bühnen zu sehen und zu hören bekam. Balzer wahrte mit gemeinsam gesprochenen Chorliedern die aktteilende Funktion dieses dramaturgischen Instruments. Zwischendurch setzte er die Sprecherinnen sinngemäß solistisch ein und erzielte damit dramatischen Gewinn.

Solistisch sind beispielhaft drei Pluspunkte zu notieren: Solveig Thomas (Kassandra), Elfriede Kuzmany (Andromache). und Krista Keller, (Helena). In den Soloszenen der ersten beiden gipfelt die Aufführung menschlich. Die Thomas und die Kuzmany erst haben überwältigend gezeigt, was Sartre (unbeschadet seiner nihilistischen Gesamttendenz) dem antiken Tragiker Euripides an Leiderfahrung belassen hat.

Ihre mindestens gleichwertige Gesprächspartnerin müßte die Matrone Hekuba sein. Doch nicht nur anders, auch schwächer als Hilde Krahl in Hersfeld – das war eine Überraschung – spielte Elisabeth Flickenschildt die Hauptrolle der Königin an den Rand der Aufführung: statuarisch, manieriert, undeutlich, auch wo sie laut war. Johannes Jacobi