Daß die chemische Industrie zu den wenigen zukunftsträchtigen Wachstumsbranchen gehört, zeigt der Geschäftsverlauf der Farbenfabriken Bayer AG in Leverkusen. Trotz der allgemeinen Konjunkturabschwächung, die sich keineswegs auf die Bundesrepublik allein beschränkt, verzeichnet das Unternehmen in den ersten drei Quartalen dieses Jahres einen Umsatzzuwachs von 10,5 Prozent auf 4,4 Milliarden Mark, während in der gleichen Zeit des Vorjahres die Zuwachsrate nur 6,5 Prozent betragen hatte.

Die Expansion wurde dabei eindeutig vom Auslandsgeschäft getragen, das um nicht weniger als 17,9 Prozent wuchs, während der Inlandsabsatz lediglich um 3,2 Prozent stieg. Als Folge erhöhte sich der Exportanteil am Umsatz von 48 Prozent im vergangenen Jahr auf 51,3 Prozent. Vorstandsvorsitzer Professor Hansen wertete es als einen großen Erfolg, daß 77,4 Prozent des Umsatzes auf Europa, also auf hochentwickelte Industrieländer entfielen. Insgesamt war die Steigerungsrate der Chemie-Umsätze in den ersten neun Monaten mit 10,2 Prozent genau doppelt so hoch wie die der gesamten deutschen Industrie.

Infolge Preisrückgängen, die gegenüber dem Vorjahr von 2 auf 3 Prozent stiegen und in diesem Jahr voraussichtlich einen Umsatzausfall von rund 130 Millionen Mark verursachen, und Lohn- und Kostensteigerungen ist der Ertrag nicht mitgewachsen. Mit 202 Millionen Mark lag er etwa auf vergleichbarer Vorjahrshöhe. So dürfte mit Sicherheit mit der gleichen 13prozentigen Dividende zu rechnen sein, wenn nicht sogar ein Prozent daraufgelegt wird.

Die von Hansen angekündigte Kapitalerhöhung um 150 Millionen Mark auf 1,5 Milliarden Mark wird denn auch mit der Notwendigkeit motiviert, die Investitionen mit der steigenden Nachfrage in Einklang zu bringen. Angesichts der ungünstigen Lage auf dem Kapitalmarkt hat sich der Vorstand der Gesellschaft für diesen – nach Finanzchef Gierlich – teuren Weg der Kapitalbeschaffung entschieden, weil eher mit einer Erholung des Anleihemarktes gerechnet wird, auf den das Unternehmen bei den umfangreichen Investitionsvorhaben schon in absehbarer Zeit wieder angewiesen sein könnte. Dagegen sei mit einer Besserung der Situation für Kapitalerhöhungen vorerst kaum zu rechnen, so daß man jetzt an die Aktionäre herantreten wolle, um zu einem späteren Zeitpunkt bessere Konditionen auf dem Anleihemarkt auszunutzen.

mh.