Mit vierzehn ging er von zu Hause fort. "Ich will berühmt werden", sagte er seiner Mutter und versuchte ihr zu erklären, wie so viele in Armut geborene Männer schließlich berühmt geworden sind: "Man macht zuerst so gräßlich viel Böses durch – und dann wird man berühmt!" Diese Sucht nach Ruhm bezeichnete er später als einen "völlig unerklärlichen Trieb", der ihn "beherrschte".

Dabei schienen die Voraussetzungen für die Erreichung seines Ziels außerordentlich gering. Daß der Junge keinerlei finanziellen Rückhalt hatte – er kam aus ärmlichsten Verhältnissen; der Vater war schon lange tot, die Mutter trank –, läßt sich auch positiv sehen: Mit seinem proletarischen Zuhause gab er nichts auf; er hatte nichts und konnte nichts verlieren. Von Nachteil freilich war, daß er so gut wie nichts gelernt hatte und doch von höchsten Zielen träumte. Er konnte kaum schreiben – Orthographie blieb übrigens immer seine Schwäche –, und er schien hoffnungslos ungebildet; er wußte sich nicht zu benehmen, sah nicht gut aus, wirkte nicht einmal sympathisch. Und bei aller Entschlossenheit war er übermäßig empfindlich.

Dennoch hat er es geschafft. Nach vielen Anläufen, die nur scheinbar in Sackgassen führten, fand er schon bald einen Weg, der ihn zu Weltruhm führte und ihn schließlich zum Berühmtesten seines Landes machte. Sehnsucht nach Ruhm war die Triebfeder seines Lebens. Das gab er auch zu. In einem Brief gestand der 35jährige:

"Nach und nach glänzt mein Name doch auf, und das ist auch das einzige, wofür ich lebe! Ich trachte nach Ehre wie der Geizige nach dem Klang des Goldes: beides ist zwar leer, aber für etwas muß man sich in dieser Welt doch begeistern, sonst fällt man ganz zusammen und verfault!"

Ohne Anerkennung und Bewunderung konnte er nicht leben: "Nur wenn sie von allen bewundert wird, fühlt meine Seele sich glücklich; der Geringste, der dies nicht tut, kann mich mißmutig machen." Nichtanerkennung, Kritik machte ihn krank. Als er einmal eine (allerdings vernichtende) Beurteilung hinnehmen mußte, legte er sich zu Bett. "Zwei Tage lag ich im Fieber, ein Monat meines Lebens ist mit Herzeleid vergeudet; Gott vergebe jenen, die daran schuld sind!"

Mit dem Weltruhm war auch das gesellschaftliche Ansehen gekommen: Der Proletarierjunge von einst, dessen Tante Bordellwirtin gewesen war, saß nun zu Gast bei Fürsten und Herzögen und sogar bei seinem König. Aber dieser märchenhafte Aufstieg, der ihn selber so sehr faszinierte, daß er ihn immer von neuem nachvollziehen mußte, ließ ihn doch nicht ganz und gar glücklich werden. Das lag an einem seltsamen Zug seines Wesens. Es war ihm nicht möglich, sich nur zu freuen – immer plagte ihn dann irgend etwas anderes. Das konnte ein physischer Schmerz sein, wie zum Beispiel an jenem für ihn höchst ehrenvollen Tag, an dem seine Geburtsstadt ihn mit einer Feier ehrte:

"Wie war ich glücklich, und dennoch – zum rein Himmlischen wagt der Mensch sich nicht hinaufheben zu lassen, ich sollte und mußte fühlen, daß ich nur ein armseliges Menschenkind war, durch die Bresthaftigkeit des Irdischen in Fesseln geschlagen. Ich litt an heftigem Zahnweh, das durch die Hitze hier oben und durch die Gemütsbewegungen in unleidlichem Maße anwuchs ... Ich trat ans offene Fenster; alles strahlte im Fackelglanz, der Platz war ganz voll von Menschen, Lieder klangen zu mir herauf, ich war seelisch überwältigt, ich war körperlich benommen, konnte diesen Höhepunkt meines Glücks in diesem Leben nicht genießen. Das Zahnweh war unerträglich; durch die eiskalte Luft, die mir entgegenschlug, flammte es heftig wieder auf, und anstatt die Glückseligkeit dieser Minuten, die nie wiederkehren, so recht zu genießen, blickte ich auf das gedruckte Lied, wie viele Verse abzusingen waren, bis ich dieser Marter, entrinnen könnte, die ich durch die kalte Luft an meinen Zähnen litt."