Die Erhöhung der Übernachtungsgebühren in den deutschen Jugendherbergen vom 1. Januar dieses Jahres an (Jugendliche bezahlen jetzt für eine Übernachtung eine Mark, Erwachsene 1,60 Mark; die Jahresausweise des Verbandes kosten je nach Altersgruppe eine, drei oder sechs Mark) wird sich auf die Zahl der Herbergsgäste kaum auswirken. Junge Leute können heutzutage bei ihren Ferienreisen genug Geld ausgeben, 30 Pfennig sind in ihren Kalkulationen nicht ernst zu nehmen.

8,3 Millionen Übernachtungen weist die Statistik des Deutschen Jugendherbergswerkes für das Jahr 1965 aus, darunter befanden sich 745 000 Ausländer. Das war eine – wenn auch geringe – Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Härter getroffen wurden die Herbergsväter dagegen von den Sparmaßnahmen verschiedener Kultusministerien. Sie kürzten die Mittel für Schulfahrten und Schulwanderungen, insbesondere die Gelder für die begleitenden Lehrer. In den Monaten Mai und Juni war die Situation in vielen deutschen Jugendherbergen verheerend. Ihre Betten standen leer; die Schulübernachtungen, sonst ein beträchtlicher Aktivposten in den Herbergsbilanzen, gingen beträchtlich zurück oder blieben ganz aus. Zum erstenmal wird das Deutsche Jugendherbergswerk deshalb – für das Jahr 1966 – eine rückläufige Tendenz zu verzeichnen haben.

Preissteigerungen und Haushaltskürzungen brachen über das Jugendherbergswerk ohne dessen Schuld herein. Mitschuldig sind die Herbergsväter freilich, daß über das Leben und Treiben in den Jugendherbergen nach wie vor lebhaft diskutiert wird. Die Verantwortlichen hängen immer noch viel zu sehr den Idealen der Wandervogelzeit nach, anstatt sich auf den Jugendlichen von 1966 einzustellen. Das führt zu mancherlei kuriosen Bestimmungen. So hat sich das Deutsche Jugendherbergswerk zwar nach langen Auseinandersetzungen damit abgefunden, daß junge Leute auf ihren Urlaubsfahrten ein Auto benutzen; in der Nähe der Herberge dürfen sie aber den Wagen noch immer nicht parken. Am besten, sie verstecken ihn und betreten als frohgemute Fußwanderer die Übernachtungsstätte. Unverständlicherweise gehen die meisten Herbergseltern nach wie vor von der Tatsache aus, ihre Gäste seien in erster Linie Wanderer. Das Ritual in der Herberge ist dementsprechend. Dabei ist der Prozentsatz der wirklichen Wanderer nur noch gering, die meisten Jugendlichen befinden sich mit Fahrrad, Moped, Auto oder Eisenbahn auf Rundreisen oder Besichtigungsfahrten. Sie möchten – vor allem in den Städten – abends noch ins Theater oder Kino oder in einen Vortrag gehen, aber der "Zapfenstreich" um 22 Uhr ist da nicht selten ein Hindernis. Zwar gibt es Ausnahmen, aber gern gesehen sind sie nicht.

Auch an die Möglichkeit, daß junge Leute, die an kulturellen Veranstaltungen interessiert sind, einmal ihre Kleidung wechseln und für verschiedene Anlässe Garderobe mit sich führen, hat offensichtlich noch niemand gedacht. In den Schlafräumen stehen nur die Betten, an den Wänden gibt es ein paar Kleiderhaken, sonst nichts. Schränke, meist zu klein, befinden sich manchmal im Flur, öfter in den Kellerräumen.

Auch über den Tanz gibt es harte Diskussionen. Viele Herbergseltern wollen allenfalls den Volkstanz in ihren Räumen zulassen. Sie könnten sich an den munteren Tanzveranstaltungen vieler Jugendverbände in Städten und Dörfern ein Beispiel nehmen. "Solange es Jugendherbergen gibt, wird es Klagen geben", hieß es beim Herbergswerk in Detmold. Gewiß, aber alte Zöpfe müssen ab. F. R.