Sichtlich und zu Recht stolz präsentierte in der alten Pinakothek zu München der Chef der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Halldor Soehner, die neuesten Schätze seines Hauses, die ihm durch eine großzügige Mäzenatentat zukamen: Sechs wertvolle Gemälde des französischen 18, Jahrhunderts und einen frühen Goya hat im Wert von sieben Millionen Mark die Bayerische Hypotheken-und Wechselbank für die Galerie angeschafft. Soehner wagte in seiner Ansprache vor der Presse eine diffizile Variation auf die Begriffe "Eigentum" und "Besitz". Seinen Worten nach bleibt die Bank "Eigentümerin" der Gemälde, doch gehen sie über in den "Besitz" der Pinakothek – keine Stiftung also, aber eine Dauerleihgabe zur, wie man hofft und glaubt, "ständigen Ausstellung". Zwei Jahre lang haben die Beteiligten intensiv den internationalen Kunstmarkt, wo er gut und teuer ist, abgegrast, Angebote sondiert und verworfen, um jetzt die Lücke zu schließen, denn das Rokoko war bisher in Deutschland und speziell in München nur dürftig vertreten. Und nur das Beste vom Guten wurde schließlich in gegenseitiger Übereinstimmung ausgewählt.

Der Zuwachs hat in einem kleinen Extrakabinett Platz gefunden: Zwei exquisite Pastelle von Quentin de La Tour, das "Bildnis des Abbé Nollet" und "Mademoiselle Ferrand meditiert, über Newton", sind ein Fang erster Güte, denn, so Soehner, "in keinem deutschen Museum gibt es einen La Tour", dazu eine Pastorallandschaft von Boucher, je eine der berühmten fêtes galantes von Lancret ("Der Vogelkäfig") und Paters "Die Freuden des Landlebens" sowie eines der rührenden Mädchen-Genres von Greuze ("Die Klagen der Uhr"). Und schließlich das Prunkbild der Sammlung: Goyas "Porträt der Dona Maria Teresa de Vallabriga, Condesa de Chinchon".

Am 8. November wurden die neuen Gemälde der Öffentlichkeit übergeben, und Soehner wie sein erster Mäzen hoffen, daß dieser Beispielfall in gleicher oder ähnlicher Form Schule macht.

M. B.