Jürgen NotzoW: Möglichkeiten und Grenzen des Außenhandels mit den europäischen Ostblockstaaten Spieleu gegenwärtig eine untergeordnete Rolle im deutschen Außenhandel. Nur 2 Prozent des gesamten Außenhandelsvolumens der Bundesrepublik entfällt auf diese Länder. Umgekehrt ist Westdeutschland immer noch der wichtigste westliche Handelspartner dieser Staaten, nicht zuletzt wegen der früheren engen Wirtschaftsbeziehungen zu diesem Raum. Aber dieses Traditionskapital ist rasch verspielt, wenn nicht alles getan wird, um die alten Beziehungen zu erhalten und auszubauen.

Unterstützt von ihren Regierungen haben Engländer, Franzosen und Italiener in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, um Zugang zu den rasch wachsenden Märkten Osteuropas zu erhalten. Für die Bundesrepublik steht bei dem Wettbewerb um das Ostgeschäft mehr auf dem Spiel als bloße Absatzeinbußen. Anders als bei den anderen westlichen Ländern ist der Handel für uns die einzige offizielle Verbindung zu den osteuropäischen Ländern. Je geringer dort das Interesse an einer Ausweitung der wirtschaftlichen Beziehungen zur Bundesrepublik wird, um so mehr sinken auch die Aussichten, auf politischem Gebiet Fortschritte zu erzielen.

Hilfestellung bei der Information über die Möglichkeiten des Osthandels bietet die Schriftenreihe Gegenwartsfragen der Ost Wirtschaft. In der Untersuchung von Jürgen Nötzold wird die Verflechtung der Ostblockstaaten untereinander, aber auch ihre jeweilige Interessenlage im Außenhandel mit dem Westen untersucht. Das besondere Verdienst der Schrift liegt darin, daß nicht alle diese Länder über einen Leisten geschlagen wurden, sondern jeweils die besondere wirtschaftliche Lage dargestellt wird. Nötzold berücksichtigt nicht nur die Exportchancen der deutschen Industrie, sondern auch die Ausfuhrmögüchkeiten und das Angebot der sozialistischen Länder. Daneben werden die Chancen der industriellen Kooperation und die Bedeutung der Kreditpolitik im Osthandel untersucht.

Wer mit dem Osten handeln will, muß aber nicht nur die Märkte kennen, sondern auch die wichtigsten Fakten über die Organisation der Volkswirtschaft und die Rechte und Pflichten der einzelnen Betriebe; er muß wissen, nach welchen Normen die Partner, mit denen er verhandelt, wirtschaften und ihre Betriebe leiten. Für den Bereich der Sowjetunion gibt die Untersuchung über Betrieb und zentrale Planung in der UdSSR nach der Wirtschaftsreform im Herbst 1965 die wichtigsten Hinweise.