Dopingprobleme in neuer Sicht – Ein Symposion in Hamburg

Von Adolf Metzner

Was eigentlich "Doping" sei, fragte Bundesanwalt Dr. Kohlhaas auf dem ersten Symposion des Deutschen Sportärztebundes, das im vorigen Jahr in Berlin stattfand. Er meinte, zunächst sei es ein abscheuliches Wort, wie so viele, die sich bei uns nach dem Kriege eingeschlichen haben, etwa wie der "Trend". Hier irrte aber der Bundesanwalt. Schon 1912 gab es in Oberhof eine Ärzteversammlung, die freilich noch nicht Symposion genannt wurde, die aber bereits über das Thema "Doping" referierte und diskutierte.

In die offizielle medizinische Nomenklatur ist das Wort "Doping" zwar immer noch nicht eingeflossen, aber im internationalen sportmedizinischen Schrifttum wird es allgemein gebraucht. Im klinischen Wörterbuch von Pschyrembel sucht man es vergebens. Dafür findet man es im Duden. "Doping, Dopen engl. niederländisch", ist dort zu lesen "Sport: Durch verbotene Anregungsmittel zu Höchstleistungen antreiben". Die Herren Philologen haben gar nicht schlecht definiert, wenn man an die mühsamen Versuche denkt, welche die Mediziner bisher unternahmen. Des Deutschen Sportärztebundes letzte Frucht derlei Bemühens stammt von 1952, sie lautet "daß jedes Medikament, ob es wirksam ist oder nicht, mit der Absicht der Leistungssteigerung gegeben, als Doping zu betrachten ist". Aber diese Definition befriedigt nur wenig, abgesehen davon, daß statt Doping, womit doch der Akt als solcher gemeint ist, wenigstens Dop- oder Dopingmittel stehen müßte.

Inzwischen waren einige besonders eifrige Sportärzte aus mehreren Nationen der Ansicht, das Dopingproblem sei so bedeutungsvoll und so vordringlich, daß man selbst den Europarat in Straßburg damit befassen müsse. Und da dieser an seinen eigentlichen Aufgaben ja, gerade vom Regierungschef des Landes, zu dem Straßburg gehört, so erfolgreich gehindert wird, wurde auch ein Expertenkomitee für das Doping berufen, das unter der sehr verschwommenen Bezeichnung "Committee for out of school Education" firmiert. Nach langen Beratungen einigte man sich dort auf eine etwas umständliche Formulierung. "Doping ist die Verabreichung oder der Gebrauch körperfremder Substanzen in jeder Form und physiologischer Substanzen in abnormer Form oder auf abnormalem Wege an gesunde Personen mit dem einzigen Ziel der künstlichen und unfairen Steigerung der Leistung für den Wettkampf. Außerdem müssen verschiedene psychologische Maßnahmen zur Leistungssteigerung des Sportlers als Doping angesehen werden."

Wahre Gummiparagraphen

Sofort erhebt sich die Frage, was sind körperfremde Stoffe? Sind Vitamine körperfremde Stoffe, da sie vom Organismus nicht synthetisiert werden können? Wie steht es mit dem Sauerstoff? Im Hinblick auf die dünne Luft von Mexico City eine ganz entscheidende Frage: Medikament oder Doping? Hormone sind nach dieser Definition physiologische Stoffe, sie werden ja von den Hormondrüsen im Körper produziert, trotzdem sind sie aber verboten!