Dennoch ist der Untertitel, den Heist seinen Aufsätzen gegeben hat – "Exkurse über eine faschistische Literatur von Rang" – als Formel rasch in die kritischen Bemühungen um Drieu La Rochelles Roman eingedrungen. Die zweifelnde Frage, die diese Formel einschließt ob nämlich. Literatur, wenn sie faschistisch sei, noch Rang haben könne –, ist im Zusammenhang mit ihm nicht gestellt worden und berührt wohl auch keine wirkliche Antinomie. Zu fragen ist, was "Die Unzulänglichen" mit Faschismus zu tun haben und ob es ein bedeutendes Buch ist.

In Frankreich ist der Roman Ende 1939 erschienen. Pierre Drieu La Rochelle, damals fünfundvierzig Jahre alt, war normannischer Herkunft, wurde aber in Paris geboren und studierte nach seiner Schulzeit drei Jahre lang politische Wissenschaften an der Ecole des Sciences politiques. Die Abschlußprüfung bestand er nicht und mußte auf die vorgesehene diplomatische Laufbahn verzichten. 1914 wurde er eingezogen und in den folgenden Kriegsjahren dreimal verwundet, zuletzt 1916 vor Verdun.

1917 veröffentlichte er sein erstes Buch, einen Gedichtband, und während der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, in denen weitere Bücher von ihm erschienen, verkehrte er mit den Dadaisten, dann mit den Surrealisten, von denen er sich aber bald lossagte, "Ich hoffte", so schrieb er an Breton und seine Jünger, "sie seien mehr als nur Literaten, nämlich Männer, für die Schreiben eine Tat und jede Tat Heilssuche ist."

Die Enttäuschung, die sich hier äußert, war nicht die eines jungen Schriftstellers, dem seine Idole fragwürdig werden – es war die Enttäuschung eines Mannes, der sich unter dem Eindruck des Kriegserlebnisses einen hohen Begriff von Solidarität und gemeinsamer Aktion gebildet hatte und im Frankreich der Nachkriegszeit Gleichgesinnte suchte. Diese Suche brachte ihn später in vorübergehende Berührung mit verschiedenen Parteien, links- wie rechtsgerichteten. Doch ob es die Front commun Gaston Bergerys oder Pierre Dominiques radikalsozialistische Partei war sie entsprachen nicht seinen Erwartungen. 1936 glaubte er endlich, in der Parti populaire français Jacques Doriots eine für Frankreich zukunftsreiche Synthese der Extreme gefunden zu haben, Zwei Jahre war er Anhänger Doriots und schrieb regelmäßig in dessen Wochenzeitschrift, L’Emancipation nationale, bis er sich 1938 auch von ihm abwandte und beschloß, sich ganz aus der Politik zurückzuziehen.

Solche Erfahrungen, vermehrt um die Geschichte zweier geschiedener Ehen und anderer Liebesenttäuschungen, sind in "Die Unzulänglichen" eingegangen.

Über zwanzig Jahre erstrecken sich die vier Teile des Buches, 1917 kommt der junge Gilles Gambier auf Fronturlaub nach Paris, Vom Heißhunger nach Frauen getrieben, stürzt er sich in das Vergnügungsleben und knüpft daneben eine Beziehung zu Myriam Falkenberg an, einer jüdischen Bankierstochter. Sie ist reich. Gilles braucht Geld. Er heiratet sie, als er längst wieder neuen Eroberungen nachjagt.

Seine Verbindung mit der Familie Falkenberg verschafft Gilles Zutritt zu einflußreichen Kreisen. Ohne sich darum zu bemühen, bekommt er einen Posten im Presseamt des Außenminister riums, und der Gedanke, sich einer politischen Gruppe anzuschließen, streift ihn. Zunächst aber beobachtet er gesellschaftliche und politische Machtkämpfe und Intrigenspiele, und solche Einblicke nähren seine Überzeugung, daß Frankreich in Korruption und Verfall gesunken sei. Angeekelt nimmt er im Ministerium seinen Abschied und führt eine auch materiell ungewisse Existenz (denn, die Geldmittel, die er aus der inzwischen geschiedenen Ehe mit Myriam behalten hat, sind erschöpft). Er reist nach Algerien, lernt dort die Spanierin Pauline kennen und fährt mit ihr nach Paris zurück.