Die Abkehr vom politischen Leben hat ihn auf sich selbst zurückverwiesen; er beginnt seinen Gedanken nachzuspüren, Klarheit in sie zu bringen: beginnt zu schreiben. Und da er zugleich einen Broterwerb braucht, gründet er eine Zeitschrift – Apocalypse – von der Pauline und er leidlich leben können. Sein Interesse an der Politik erwacht aufs neue, und frühere Freunde treten wieder in seinen Gesichtskreis; vor allem auf einen, Clérences, setzt er seine Hoffnung, sieht aber, daß auch er vom politischen Konformismus gelähmt ist. Und als am 6. Februar 1934, anläßlich des (historischen) sogenannten Stavisky-Skandals, rechts- wie linksradikale Aufständler blutig niedergeschlagen werden und an eine Vereinigung der gesamten revolutionären Kräfte nicht mehr zu denken ist, verläßt er Frankreich, Im spanischen Bürgerkrieg schlägt er sich auf die Seite Francos und kämpft für die Sache des Faschismus.

Ein Buch der Irrwege und Fehlschläge – und ein künstlerisch fehlgeschlagenes Buch. Nicht, weil es autobiographisch ist, sondern weil es nicht autobiographisch genug ist. Drieu La Rochelle wollte einen Entwicklungsroman und zugleich ein umfassendes Zeitgemälde geben, und er wußte (wie sein Nachwort ausweist), daß ein solches Vorhaben ihn dem Zwang zu künstlerischer Ausformung unterwarf.

Mit diesem Zwang war sein Bekenntnisdrang überfordert. Statt ihm aber nachzugeben und seinem Ich die löcherige Maske Gilles Gambiers entschlossen abzureißen, hat er stets ein Haarbreit an der Wirklichkeit entlanggeschrieben. Das führt zu schemenhaften Gestalten, deren reale Vorbilder dem Leser lieber wären, führt zu unklaren Bezügen und abgerissenen Schilderungen. Kein epischer Grundtakt macht das Maß der verrinnenden Zeit von zwanzig Jahren bewußt. Statt dessen herrscht ein Stakkato hektischer Fragen in erlebter Rede und bei der Nachzeichnung seelischer Bewegungen eine überlaute Rhetorik.

Wo politische Zeitgeschichte verschlüsselt wird, Parteiführer nicht bei ihrem tatsächlichen Namen genannt werden und Parteiziele unklar bleiben, sind solche Mängel besonders ärgerlich. Drieu La Rochelle beschreibt dergleichen, nach Maurice Nadeaus scharfem Urteil, "wie ein Mann aus der Provinz, der nur Parteizeitungen liest". Zumal der deutsche Leser, dem der Roman ja unvermeidlicherweise in historischer Perspektive erscheint, hätte sich von Strömungen und Tendenzen im damaligen Frankreich gern ein genaueres Bild gemacht.

Ein Zeitgemälde ist das Buch also nur der Intention nach. Einen Entwicklungsroman hingegen stellt es dar, vorausgesetzt, man unterlegt dem Wort Entwicklung nicht den Sinn eines zwar mühsamen, aber zielgerichteten Reifeprozesses. Denn was Gilles Gambier widerfährt, sind Wiederholungen eines und desselben Grunderlebnisses: des Zusammenpralls eines nicht nur wandlungsunfähigen sondern im Grunde auch wandlungsunwilligen Charakters mit Welt und Menschen.

Drieu La Rochelle hat diesen Charakter den Bedingtheiten von Herkunft und Erbmasse entziehen wollen und Gilles Gambier nur einen Pflegevater gegeben, den alten Carentan, der in einem normannischen Dorf wohnt und sich voll barscher Zvilisationsfeindlichkeit ausschließlich mit alten Religionen beschäftigt. Es ist die Gestalt eines natur- und mythennahen Weisen, der auch Gilles sein möchte, aber nicht werden kann.

Im Unterschied zu Carentan nämlich erträgt Gilles die Einsamkeit, zu der er verurteilt ist, nur zeitweise. Er kann sich nie ganz auf sich selbst stellen, sondern sucht ständig wieder nach einem Gegenüber, das ihn aufnimmt, und trägt: Frauen, Freunden, Gesinnungsgenossen, Doch ein eigenartiger Starrsinn hindert ihn daran, sich diesem jeweiligen Gegenüber anzupassen, es in seiner Besonderheit überhaupt wahrzunehmen. Was sich nicht im ersten Ansturm erschließt, läßt er fallen. "Die Brücken, die er in seinem Leben zu den Frauen, zur Tat geschlagen hatte, waren sinnlose Bogen gewesen, die ihre Pfeiler nicht fanden? – so lautet der Kommentar des Erzählers dazu.