Unser Kritiker sah:

LEBEN UND LEBEN LASSEN

Schauspiel von John Arden

Stuttgarter Staatstheater, Kleines Haus

Das war die bisher schlüssigste Vorstellung, mit der John Arden auf deutschen Bühnen präsentiert wurde. Dank Peter Palitzschs minuziöser Schauspielerführung ist es aufmerksamen Zuschauern jetzt möglich, auch in Deutschland einigermaßen zu erfassen, was der 37jährige Autor für das englische Theater von heute bedeutet. "Armstrong sagt der Welt Lebwohl" hatte (in Bochum, April 1966) eher verwirrend gewirkt. Für "Leben und leben lassen" stellte Hilde Spiel eine glaubwürdige deutsche Übertragung zur Verfügung. Dieses frühe Stück (aus dem Jahre 1958) fixiert auch Ardens Position unter den damals "zornigen jungen Männern" des Londoner Royal Court Theatre.

John Osborne schrieb (1956) seinen "Blick zurück im Zorn" aus Wut und klagte an. Auch für Arden bedeutet das Wort "bürgerlich" ein Schimpfwort. Obwohl "Leben und leben lassen" (Live like pigs) als eine Satire auf den Wohlfahrtsstaat angelegt ist, betont der Verfasser dennoch ausdrücklich: "Das Stück ist weitgehend komisch gemeint."

In ein Haus des kleinstädtischen sozialen Wohnungsbaus werden nebeneinander die Familie Jackson – Kleinbürger, die aus Slums evakuiert worden sind – und die Landstreichersippe Sawney eingewiesen. Diese Nomaden wohnten bisher in einem ausrangierten Straßenbahnwagen. Ein doppelstöckiges Reihenwohnhaus mit Badezimmer und Vorgarten wirkt auf die schweifenden Existenzen, die weder Möbel besitzen noch Arbeits- oder Schulpflicht anerkennen, wie eine Strafanstalt.