Die erste Hauptversammlung der als Aktiengesellschaft noch so jungen Friedrich Schwab AG Überlandversand, Hanau, verlief keineswegs so glatt und reibungslos, wie es sich die Verwaltung erhofft hatte. Im Gegenteil, es entspann sich eine heftige Debatte zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden-, Dr. William R. Staehelin, Zürich, und dem versierten Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Schlicht gesagt, es ging um die Entscheidung, ob die präsentierte Schwab-Bilanz zum 31. März 1966 nichtig ist oder nicht. Im Verlaufe von Rede und Gegenrede stellte sich heraus, daß eine Abschreibung in Höhe von 1,5 Millionen Mark aus einem vorher aktivierten "Verlusteinschuß" erfolgte, um damit das Verlustkonto der Mailänder Beteiligung Vestro S.P.A. auszubügeln.

Dr. Staehelin bedauerte, er könne zwar die Enttäuschung der Aktionäre verstehen, aber durch diesen Vestro-Verlust seien nun praktisch drei Prozent Dividende verlorengegangen. Das führte er als Begründung dafür an, daß die Schwab-Aktionäre entgegen der Ankündigung des Firmengründers vom April dieses Jahres nunmehr keine 14 Prozent, sondern nur 10 Prozent Dividende auf das Kapital von 52 Millionen Mark erhalten werden.

Nachdem jedoch Staehelin bekannte, dieser Vestro-Verlust sei "August/September dieses Jahres" festgestellt worden, konterte der Aktionärsvertreter: Dann sei der Schwab-Abschluß nichtig. Der Prüfungsvermerk des Wirtschaftsprüfers stammt vom 8. August 1966. Hinterher, so argumentierte der Aktionärsschützer, dürften laut Gesetz in der Bilanz keine Transaktionen mehr vorgenommen werden. Schlicht aber hart drückte er aus: Die freien Aktionäre seien getäuscht worden.

Angeregt wurde daher, ob nicht unter den gegebenen Umständen ein Abfindungsangebot an die freien Aktionäre angebracht wäre. Doch davon wollte Staehelin nichts wissen: "Wir hoffen, daß die Aktionäre langfristig mit uns glücklich werden."

Da die Singer Company und die Familie Schwab über 75 Prozent der Aktien besitzen und auf der Hauptversammlung knapp 84 Prozent vertreten waren, war an dem Abstimmungsergebnis nicht zu rütteln. Für seine Kleinaktionäre gab der Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung an, er lege Wert darauf, daß protokollarisch festgestellt werde, der Schwab-Abschluß für das Geschäftsjahr 1965/66 sei seiner Ansicht nach nichtig. Bo