Aktion und Reaktion an der Bonner Universität

Von Heinz Bergner

Bonn

In Anerkennung des von menschlichem Verstehen, staatsmännischer Klugheit und tiefer Sachkenntnis geprägten Wirkens des Herrn Bundespräsidenten" ließ die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn ihrem Landwirtschafts-Ehrendoktor Heinrich Lübke (seit 1953) die höchste akademische Ehrung zuteil werden: Das deutsche Staatsoberhaupt wurde zu seinem 72. Geburtstag (am 14. Oktober) Ehrensenator.

Was Lübkes Amtsvorgänger Theodor Heuss in zehnjähriger Amtszeit nicht zuteil wurde, schaffte Heinrich Lübke. Nach dem einstigen Hohen LIS-Kommissar John McCloy, der früheren Düsseldorfer Kultusministerin Christine Teusch, dem amerikanischen Senator und Hochschul-Mäzen William Fulbright, dem Bayer-Direktor Kurt Hansen aus Leverkusen und dem Basler Professor Karl Barth wurde Lübke sechster Ehrensenator der Bonner Alma mater.

Die Auszeichnung erreichte den Bundespräsidenten just auf dem Höhepunkt der ost-westlichen Kampagne wegen seiner Bautätigkeit im Dritten Reich. Gerade hatte sich Heinrich Lübke (DDR: "KZ-Baumeister") – auf angeblichen Rat des Bundeskabinetts – entschlossen, nicht gegen die Verbreiter jener Photokopien gerichtlich vorzugehen, deren Originale jedermann in Ostberlin einsehen kann, da ehrte ihn der Bonner Universitäts-Senat "wegen seiner tatkräftigen Förderung der Wissenschaften, seines außerordentlichen Verständnisses für die Belange der Hochschulen und der Studenten, und weil er durch seine Autorität viel zur Achtung des Deutschen in der Welt und zur Verständigung der Völker beigetragen hat".

Das "Professorium"