In dieser Landschaft ist dem Auto der Vorzug zu geben. Die Straßen sind überall gut, zum Teil sehr gut, auch wenn die Enge in diesem dichtbesiedelten Land und das Rehwild, das im Scheinwerfer über die Straßen wechselt, zu schaffen machen.

Die Denkmäler Jan Wellems in Düsseldorf und des Grafen Engelbert auf Schloß Burg sind der historische Honig, den man um den Mund geschmiert bekommt, wenn man da oder dort Einkehr hält. Was niemals im Bergischen ausstirbt, sind die Sänger; nicht die vom Finsternwalde, sondern vom "Liederkranz", von der "Liedertafel" oder vom "Ossian". Die Vermutung, daß die Mitgliedschaft in einem Gesangverein identisch sei mit kleinbürgerlicher Mentalität, ist nicht haltbar. Hier hat man, wie im benachbarten Köln, Spaß an der Freud’. Selbst wer in einem der zahllosen Dörfer Einkehr hält, wird zu abendlicher Stunde einen Gesangverein proben hören. Es schmettert und singet und saget: Deutsch das Lied und deutsch der Sang! Es wäre die pure Unwahrheit, wenn man sagen würde, die Wähler, die bei der letzten Kommunalwahl drei DFU-Stadträte ins Solinger Rathaus schickten, verstünden alle was vom Marxismus-Leninismus.

Das rheinische Bergische Land grenzt ans westfälische Sauerland. Gewisse Schlüsse, die daraus gezogen werden könnten, treffen nicht zu. Das Bergische ist weitgehend evangelisch, das Sauerland katholisch. Aber die Landschaft in ihrer Schönheit ist verwandt. Es wäre nur ein schwachsinniger Versuch, sonst noch Vergleiche anzustellen. Als Sohn des Bergischen behaupte ich schlankweg: Mit dem Sauerland haben wir nichts zu tun.

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Walter Henkels, geboren 1906 in Solingen, ist Journalist in Bonn. Er hat mehrere Bücher geschrieben: "Zeitgenossen" (1953), "Bonn für Anfänger" (1962), "99 Bonner Köpfe" (1963), aus dem in diesen Tagen "III Bonner Köpfe" wurde, und den weitbekannten, vielgeliebten Adenauer-Anekdoten-Band "...gar nicht so pingelig, m. D. u. H." (1965).