Die indische Hauptstadt Neu-Delhi erlebte am Montag die blutigsten Unruhen seit der Unabhängigkeitserklärung im Jahre 1947. Eine Massendemonstration der Sadhus, asketischer Hindus, die in safrangelbe Gewänder gekleidet waren oder ihre nackten Körper mit Asche beschmiert hatten, sollte die Forderung rechtsradikaler Hindu-Organisationen unterstützen, künftig die Schlachtungen der "heiligen Kühe" zu verbieten. Der Massenaufmarsch schlug jäh in e.nen Aufruhr um, der fast die Regierungsgewalt hinweggefegt hätte.

Als Funken im Pulverfaß wirkte eine Rede des Abgeordneten Swami Rameshwarenand, der im Parlament einen solchen Tumult inszeniert hatte, daß ihn der Präsident von den Sitzungen ausschloß. Daraufhin putschte er die Menge auf: "Was steht ihr hier herum? Geht ins Parlament und lest ihm die Leviten!"

Sadhus mit Beilen und Dreizacken stürmten die Tore des Parlaments, verschiedene Ministerien und das Rundfunkgebäude wurden in Brand gesteckt, mehr als 250 Autos und 100 Motorräder in den Straßen zerstört. Der Vorsitzende der Kongreßpartei, Kamaraj, entging nur mit Mühe und Not der Lynchjustiz. Die unterlegene Polizei erhielt erst Schießerlaubnis, als sie beinahe schon überwältigt war.

Eilig herangeführte Truppen stellten die Ordnung wieder her. Die traurige Bilanz: 9 Tote, 500 Verletzte, 800 Verhaftete und 4 Millionen Mark Sachschaden. Außerdem mußte Innenminister Gulzari Lal Nanda nach vierzehn Jahren Amtszeit zurücktreten, weil er die Sadhu-Revolution weder vorausgesehen noch wirksam bekämpft hatte.