Die freien Aktionäre der Aschaffenburger Zellstoffwerke AG müssen sich mit einem neuen Kapitalschnitt abfinden. Doch nach einem Verlust von zwei Dritteln ihrer Aktien 1963 sollen sie diesmal nur eine Kapitalzusammenlegung im Verhältnis 4:3 von 50 auf 37,5 Millionen Mark billigen. Die Großaktionäre Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank, Bayerische Landesanstalt für Aufbaufinanzierung und Bank für Gemeinwirtschaft haben sich bereit erklärt, dem neuen Partner Svenska Cellulosa AB aus Schweden einen Teil des Verlustvortrags von mehr als 20 Millionen Mark sozusagen intern abzunehmen. Sie geben der SCA, die im ganzen mit 20 Millionen Mark einsteigt, in Höhe des Restverlustes von rund sieben Millionen Mark, der in der Bilanz in der Hoffnung auf spätere Erträge vorgetragen wird, Aktien aus ihrem Portefeuille, so daß die Schweden am späteren Kapital von 67,5 Millionen Mark (nach der Umwandlung eines Darlehens von zehn Millionen Mark) mit rund 40 Prozent beteiligt sein werden. Zunächst zeichnet die SCA nur 10 Millionen Mark, während die drei Großaktionäre die restlichen 10 Millionen Mark bei der Wiedererhöhung des Kapitals übernehmen.

Die ganze Transaktion mag etwas umständlich anmuten. Der Sinn ist, daß der schwedische Konzern (Jahresumsatz 1,3 Milliarden Schwedenkronen) die Beteiligung natürlich nicht mit einem hohen Verlustvortrag übernehmen will. Andererseits sind die Schweden den Aschzellern im Gegensatz zu allen anderen bisherigen ausländischen Gesprächspartnern bereit, sich mit 40 Prozent des Kapitals zufrieden zu geben, ohne die Majorität zu verlangen.

Die Kleinaktionäre werden diese Lösung in der außerordentlichen Hauptversammlung am 16. Dezember wohl anerkennen, so sehr sie der Ärger über einen abermaligen Kapitalverlust drückt, der an der Börse schon längst vorweggenommen worden war. Aschzell hat jetzt den Partner mit weltweiter Erfahrung. Aschzell erhält durch ihn mittelbar Zugang zu den Rohstoffquellen in Schweden – wo die SCA über großen Waldbesitz verfügt – und Britisch-Kolumbien, wo die Schweden zusammen mit einem kanadischen Konzern soeben eine Riesenfabrik für Sulfat-Zellstoff in Betrieb genommen haben. Die deutsch-schwedische Zellstoff- und Papierehe mag für die Branche schwere Probleme mit sich bringen. Sie führt aber endlich aus der Sackgasse heraus, in die sich Aschzell bisher scheinbar hoffnungslos verrannt hatte.

M. R.