Hamburg

Sie ist und bleibt die Frau unserer Träume – so steht es im Programmheft, und gemeint ist Marika Rökk. Zu ihren Eigenschaften gehört, daß sie korrekt angibt, wann sie geboren wurde. Sie feierte jüngst ihren 53. Geburtstag. Die Herrschaften nun, die in Gedanken an sie unruhig werden und über deren Augen sich ein feuchter Schleier legt, sind die jüngsten nicht mehr.

Sie erschienen im Hamburger Operettenhaus an der Reeperbahn, als von den Litfaßsäulen die Operettte der dreißiger Jahre angekündigt wurde – "Maske in Blau"– mit Marika Rökk in der Hauptrolle. In Berlin damals gab es einige Soubretten, die hinreißend die Julischka aus Budapest spielten, und ihr "Joy, joy Mama summten die Berliner vom "Alex" bis zum "Kudamm". Heinz Hentschke, der Autor dieser und vieler anderer "Ausstattungsoperetten", die im Metropol-Theater und im Admirals-Palast zur Zeit des "Dritten Reiches" einen Abglanz vom Pariser oder New Yorker Weltstadt-Flimmer im grauen Berlin lebendig machten, war bei der Auffrischung seiner "Maske" zugegen.

Alle, die die Melodien von Fred Raymond mit den Texten von Günther Schwerin noch im Ohr haben (und ihr Verlangen danach zeigt sich bei Wunschkonzerten der Rundfunkanstalten immer wieder), waren gekommen. Die Enkeltöchter saßen neben ihnen, im Minirock, und sahen mit etwas erstaunten großen Augen auf das bunte, laute Bühnenspektakel.

Da rauschte denn also die Rökk über die Bühne, steppte, walzte, überschlug sich – ein ewig junger Kobold. Die sie umgebende Statisterie spielte das Spiel von der Liebe, den Mißverständnissen, Verwechslungen mit dem nötigen Ernst; absolvierte die Bühnenspäße wie "Mann in Schürze" "Eimer überm Kopf" mit der Gewichtigkeit, die solcherlei Auftritte verlangen.

Das überfüllte Operettenhaus jauchzte. "Wunderbar!" Aber die kleine Enkelin fragte sich, was das alles zu bedeuten habe.

"Bild" verlieh der Aufführung an der Reeperbahn sechs Sterne, die höchste Auszeichnung, die ihr Theaterkritiker zu vergeben hat. Das "Hamburger Abendblatt" setzte die Marika in einem bunten Photo auf die erste Seite. Eine halbe Stunde dauerte der Schlußapplaus.

"Man trinkt Likör, man grübelt nicht", heißt es auf der Bühne. Das Wort hat offenbar Gültigkeit. Auch wenn die Twens statt des "Likörchens" heute Martini on the rocks bestellen. H. K.