• "Collien – Lincke – Schwarz – Wölbing" (Frankfurt, Galerie Lüpke): Mythologische Wesen, Amazonen, eine Leda, eine, alternde Venus, Metamorphosen der Daphne, Puppenspieler, Insekten sind die Lieblingsmotive der jüngsten deutschen Phantasten. Offen geben sie zu, daß sie Vorbilder haben. "Janssen und Wunderlich streiten um den Klops" heißt eine Zeichnung von Jürgen Wölbing. Hartmut Lincke zeichnet "Dali eine Heuschrecke betrachtend". Peter Collien und Reiner Schwarz waren in Berlin Schüler von Mac Zimmermann. Spanisch-Berliner Surrealismus einerseits und auf der andern Seite der Phantastische Realismus aus Wien, die "Sphinx" von Ernst Fuchs und der "Adam" von Rudolf Hausner. Theoretisch würde das bestenfalls zu epigonaler Spätblüte reichen, und soweit sie in Öl malen, sind die Resultate entsprechend dürftig. Aber in der Graphik wird die Schwäche der Erfindung durch technisches Raffinement und Originalität im Detail wettgemacht. Und Hartmut Lincke, mit 24 Jahren noch zu jung, um beim Kunstpreis der Jugend mitzumachen, gibt Proben einer eminenten zeichnerischen Begabung, die sich von Einflüssen gänzlich emanzipiert hat. Seine großformatigen Federzeichnungen sind mit Abstand das Beste, was in der Galerie Lüpke (bis Ende November) gezeigt wird. Lincke und Collien sind derzeit auch bei den Berliner "Labyrinthen" vertreten. Gottfried Sello

  • "Musische Geometrie" (Hannover, Kunstverein) Wenn eine Ausstellung "musische Geometrie" genannt und mit Worten eröffnet wird, die den Betrachter an den geometrischen Stil der frühen Griechen, bestimmte manieristische Experimente des 16. Jahrhunderts und an die Väter des Konstruktivismus und der konkreten Kunst im 20. Jahrhundert erinnern sollen, dann wird das Publikum von vornherein zu dem guten Glauben verleitet, daß selbst das Modernste in einem zwar undurchsichtigen, aber dafür immerwährenden Prinzip der Kunst seinen Sinn habe.

Im Hannoveraner Kunstverein geht es indessen zuerst einmal um Arbeiten, wie sie neuerdings unter dem Sammelbegriff "Neue Abstraktion" zusammengefaßt worden sind. Die Galerien Brusberg (Hannover), Müller (Stuttgart) und Bischofsberger (Zürich) sind die Hauptlieferanten.

Im großen Saal, dem Zentrum der Ausstellung, hängen frühere nachinformelle und neuere großformatige Bilder Pfahlers, darunter das bedeutende vierteilige Querformat "Farbraumexpansion I"; aluminiumfarbene Metallplastiken von Hermanns, deren scheinbar labil ineinandergeschobene schmale Massen mit der virtuellen Farbdynamik Pfahlers korrespondieren, sind wie Monumente aufgestellt. Die intensivste Wirkung geht von dem anschließenden Raum aus, in dem faszinierende Schichtungen von Lenk mit einer Reihe Albersscher Farbquadrate und einer Leissler-Auswahl kombiniert worden sind, so daß jedes Werk von der farbig, räumlich oder physiognomisch eingeleiteten Metamorphose des anderen profitiert. Die Chance, ein drittes Thema durch Gruppierung anschaulich zu machen, das etwa mit dem Wort Farbdingrealismus zu umschreiben wäre, wurde verpaßt Die kantigen, bemalten Kastenverbindungen Kampmanns, der freilich den Widerstreit von hart Abstoßendem und heftig Anreizendem nicht immer genügend durchdenkt, sind fast alle in einer der Abstellecken der Austeilung gelandet – während die in ihrer Symmetrie und Lokalfarbigkeit verwandten, geradezu gezimmerten Bilder des Schweizers Müller-Brittnau im Eingangsraum leicht übersehen werden.

Im übrigen ist die Ausstellung heterogen. Einzelne sehr schöne Bilder hängen neben völlig belanglosen oder schwachen auch bekannterer Namen, Daß am Ende des Rundgangs auch ein Raum mit den bekannten Spielzeugmaschinen Kramers, mit kleinen Pop-Reliquienschreinen aus Gips von Hans-Peter Sprinz und mit trocken vorgetragenen Bildern, die Gegenstände aus dem pars-prototo-Laboratorium von Jobst Meyer, dem diesjährigen Gewinner des Kunstpreises der Jugend zeigen, angefüllt ist, beweist nur, wie wohlmeinend musisch die Veranstalter geplant haben. Jürgen Harten

• "Buch- und Kunstauktionen" (Hamburg, Dr. Ernst Hauswedell): Unter den kostbaren Büchern, die am 17. und 18. November versteigert werden, sind die Klassiker-Erstausgaben die kostbarsten. Allein 45 Goethe-Titel, 5 Varianten vom Faust-Fragment, 4mal der Götz (von 1773 bis 1787), der Werther im ersten und zweiten Druck, Das Römische Carneval von 1789. Nur die Erstausgabe der Grimmschen Märchen liegt mit 12 000 Mark noch über Goethe. Es folgt am 19. November die Kunst-Auktion mit einer so umfangreichen modernen Abteilung, daß der traditionelle Sonnabendnachmittag diesmal nicht ausreicht, Barlach-Interessenten müssen sich schon morgens an der Fontenay einfinden. Einige Hauptwerke von Barlach werden angeboten, "Der singende Mann" (Schätzpreis 45 000 Mark) und, ebenfalls als Bronzeguß, "Singender Klosterschüler", außerdem das frühe Bronzerelief "Tod und Leben" sowie das "Bildnis Tilla Durieux III." Otto Mueller ist hervorragend vertreten mit dem häufig ausgestellten und reproduzierten Gemälde "Mädchen im Wald" und der kompletten Zigeuner-Mappe. Es gibt Aquarelle von Feininger, Macke, Heckel, Kirchner, Nolde, Zeichnungen von Hofer, Kokoschka, Maillol und eine exquisite Porträtskizze von Modigliani. Bei der Graphik kommen neben den fast vollständig versammelten Altmeistern (von Beckmann bis Picasso) auch schon einige jüngere Künstler wie Horst Janssen, Paul Wunderlich, Horst Antes auf den Markt. Am letzten Tag, dem 21. November, wie üblich Außereuropäische Kunst. Gottfried Sello