Als Prof. Dr. Heinrich Nordhoff, Chef des Volkswagenwerks, unmittelbar vor Beginn der Bezugsrechtnotierung der VW-Aktien über die Lage des Wolfsburger Unternehmens berichtete, blieb er den im Stammwerk versammelten Journalisten keine Antwort schuldig. Zusammen mit seinem Finanzchef, Dr. Friedrich Thomée, legte er den Status des Unternehmens zum 30. September 1966 offen, der keinen Zweifel daran läßt, daß die Volkswagenwerk AG per 31. Dezember 1966 wieder einen guten und auch ertragstarken Abschluß vorlegen wird. Wenn dennoch das Presseecho auf die Wolfsburger Pressekonferenz recht geteilt war, dann lag dies an den unterschiedlichen Blickwinkeln, aus denen die Vertreter der einzelnen Zeitungen die Lage des größten europäischen Automobilwerkes betrachten wollten.

Wem es darauf ankommt, der Öffentlichkeit eine allgemeine Wirtschaftskrise zu servieren (von der in Wirklichkeit keine Rede sein kann), der stellte die vom Vorstand nicht verschwiegene Tatsache in den Vordergrund, daß das VW-Werk in den ersten neun Monaten in der Bundesrepublik 29 000 Wagen weniger absetzte als in der Vergleichszeit des Vorjahres. Daß das Unternehmen aber auf den Weltmärkten dafür einen Ausgleich fand und in den ersten drei Quartalen dieses Jahres eine Produktionssteigerung um acht Prozent erzielte (und diese Wagen auch absetzte), wurde nur am Rande erwähnt oder sogar verschwiegen.

Der VW-Aktionär, der jetzt vor der Frage steht, ob es sich lohnt, junge VW-Aktien zu beziehen und vielleicht neue hinzuzukaufen, darf sich durch eine tendenziöse Berichterstattung nicht irremachen lassen. Für ihn ist wichtig, wie sich die unmittelbare und fernere Zukunft des Unternehmens tatsächlich gestalten wird. Prof. Nordhoff, ein ausgesprochener Gegner jeglicher Prognosen, gab zur Beurteilung der Chancen folgende Anhaltspunkte:

1. Der Vorstand strebt an, auch in den kommenden Jahren den Dividendensatz von 20 Prozent zu halten. Eine Erhöhung kommt nicht in Frage. Sie tritt jedoch indirekt ein, weil die vergleichsweise hohe Ausschüttung auch auf das jetzt um 150 auf 750 Millionen Mark zu erhöhende Aktienkapital gezahlt werden soll.

2. Das Kapital wird voraussichtlich im Jahre 1967 noch einmal um 150 Millionen Mark erhöht. Auch dann wird – so ist jedenfalls beabsichtigt – weiterhin ein Satz von 20 Prozent an die Aktionäre verteilt werden.

3. Das Ergebnis der Pressekonferenz sowie die Angaben über die Gewinnentwicklung lassen die berechtigte Hoffnung zu, daß der Gewinn pro Aktie den vorjährigen Satz von 50 Mark (untere Grenze) überschreiten wird. Für das erste Halbjahr 1966 betrug er 33 Mark.

4. Das Volkswagenwerk wird seine Inlandskapazität vorläufig nicht mehr sprunghaft ausweiten, weil mit großen Zuwachsraten vorerst nicht mehr gerechnet wird. Man möchte vielmehr den erreichten hohen Stand behaupten.