Am 11. November, dem berühmten Waffenstillstandstag zur Erinnerung an den britischen Sieg von 1918, feiert Rhodesien das erste Jahr seiner Unabhängigkeit. Viele weiße Siedler in der abtrünnigen Kolonie erwarteten, es werde an diesem Tage die Republik ausgerufen, falls die Vorverhandlungen mit Großbritannien scheitern würden und London die Angelegenheit in die Hände der UN lege. Allerdings hat die britische Königin innerhalb des Commonwealth nirgends so viele und so treue Untertanen als gerade in Rhodesien. Aber der Regierung Ian Smith würde kaum eine andere Wahl bleiben.

Die in Addis Abeba versammelten afrikanischen Staatschefs haben ihre anfangs militante Politik gemildert und raten zur Anwendung von Gewalt erst dann, wenn die erbetenen Sanktionen der UN ebensowenig vermögen sollten wie der britische Handelsboykott. Sie beschlossen jedoch, alle Staaten, die weiterhin mit dem Regime Smith Handel treiben, auf die schwarze Liste zu setzen.

Aus arabischen Konferenzkreisen verlautete, hinter der Gründung eines Sonderfonds für Rhodesien verberge sich die Vorbereitung eines Guerilla-Krieges. Angeblich sollen in ganz Afrika Freiwillige rekrutiert werden, die dann in besonderen Lagern, unter anderem in Algerien, ausgebildet und später nach Rhodesien eingeschleust werden sollen. Die militanten Afrikaner hoffen, auf diese Weise England zu einem militärischen Eingreifen zwingen zu können.