Panmunjom, das winzige koreanische Bauerndorf in der Nähe des 38. Breitenkreises, war bis vor wenigen Wochen ein beliebtes Touristenziel. Jährlich zehntausend Menschen bestaunten dort die Gebäude der Waffenstillstandskommissionen. Erst die blutigen Zwischenfälle der vorigen Woche haben die Welt daran erinnert, daß sich hier zwischen dem Gelben und dem Japanischen Meer zwei Armeen, fast eine halbe Million Soldaten, noch immer wie zwei lauernde Raubtiere einander gegenüberliegen.

Seit dem 25. Oktober sind nach Darstellung des UN-Oberkommandos 23 Südkoreaner und sechs Amerikaner bei nordkoreanischen Feuerüberfällen innerhalb der vier Kilometer breiten entmilitarisierten Pufferzone ums Leben gekommen. Dreihundert amerikanische und siebenhundert südkoreanische Soldaten patrouillieren täglich in der südlichen Hälfte des Niemandslandes.

In der letzten Sondersitzung der Waffenstillstandskommission hörte sich der nordkoreanische General die Beschwerden mit lächelndem Gesicht an und trug dann seinerseits eine Reihe von Klagen vor. Seit dem Waffenstillstand vor dreizehn Jahren hat das UN-Oberkommando den Nordkoreanern fünftausenddreihundertfünfzig Zwischenfälle in der Pufferzone zur Last gelegt, von denen die Nordkoreaner nur zwei auf sich genommen haben. Das UN-Kommando war großzügiger: Es übernahm die Verantwortung für 89 von den 42 500 ihm unterstellten Grenzverletzungen.

Noch glaubt man in Washington, daß die Nordkoreaner lediglich einen Nervenkrieg führen wollen, vielleicht, um die südkoreanische Regierung daran zu hindern, noch mehr Truppen nach Südvietnam zu entsenden, wo bereits zwei Elitedivisionen gegen die Vietcongs kämpfen.