Thadden gibt zu, daß es mit der Verwirklichung dieser Vorstellung noch gute Weile hat. Wenn aber erst die NPD in allen Parlamenten vertreten sei, würden das Gefüge und der Charakter der Parteien sich möglicherweise so verändert haben, daß dann die klassischen Standortbestimmungen von "rechts" und "links" noch weniger als heute gültig seien: "Im übrigen sehen wir unsere Aufgabe darin, das natürliche Spannungsverhältnis zwischen Regierung und Volk wiederherzustellen, nachdem lange Zeit eine bestimmte Richtung sich nicht nur mit der Macht, sondern auch mit dem Staat identifiziert hat."

"Vor dem Wahltag in Hessen hat Ihre Partei erkennen lassen, sie wolle in Karlsruhe eine Untätigkeitsklage gegen den Bundestag einreichen. Bleiben Sie bei dieser Absicht?"

"Selbstverständlich! Und wenn es der SPD ernst ist mit ihrer Forderung nach Neuwahlen, braucht sie sich unserem Vorgehen nur anzuschließen."

"Was hat man unter ‚Untätigkeitsklage‘ zu verstehen?"

Adolf von Thadden erklärt Motive und Ziele dieser Aktion mit einem beträchtlichen Aufwand an legalistischen Überlegungen. Kurz nach der Bundestagswahl und nach dem Karlsruher Urteil zur Parteienfinanzierung habe die NPD die Wahl angefochten. Über diese Wahlanfechtung verhandelte der Wahlprüfungsausschuß erst im Mai dieses Jahres; weiter sei man noch nicht gekommen. Das Wahlprüfungsgesetz verliere aber seinen Sinn, wenn der Bundestag ein Jahr nach der Bundestagswahl noch keine Entscheidung getroffen habe, während durch dieses Zögern der Weg nach Karlsruhe versperrt werde. Darin sehe seine Partei eine absichtliche Rechtsverweigerung, durch die sich der Bundestag am Leben halten wolle, obwohl er wegen der Parteienfinanzierung auf verfassungswidrige Weise gewählt worden sei. Mit einer Untätigkeitsklage wolle die NPD den Bonnern Beine machen.

"Sehen Sie sich schon wieder im Bundestag?"

"Durchaus, wenn ich auch nicht gedacht hätte, daß es mit meiner Rückkehr bis 1969 dauern würde."