Von Dietrich Strothmann

Fünfzehn Prozent der Deutschen, das ergaben Umfragen aus jüngster Zeit, sind gegen Gastarbeiter und für den "Schlußstrich" unter die Vergangenheit, gegen wirtschaftliche "Überfremdung" durch ausländisches Kapital und für die Herauslösung der Bundeswehr aus der NATO, sie sind gegen "Besatzungskosten" (Devisenhilfe), "Kontributionen" (Entwicklungshilfe) und die "Sexualisierung" durch Mode und Kino, sie sind für "Zucht und Ordnung", einen "gesunden Nationalstolz" und ein Deutschland als "Bollwerk gegen den Kommunismus". Fünfzehn Prozent der Deutschen sind potentielle Wähler der Nationaldemokratischen Partei.

Alte Nazis stimmen für diese Partei wie jugendliche Enthusiasten, vom "Wirtschaftswunder" enttäuschte Kleinhändler und Angestellte wie politische Pendler, die es den "Bonner Schläfern" einmal zeigen wollen. Frauen sind in großer Zahl darunter und Protestanten, Beamte und Bauern. Sie alle haben die NPD, die jüngste Partei, zur viertstärksten Partei gemacht. Mit über 22 000 Mitgliedern ist sie zu einer Sammlungsbewegung geworden, die nach ihren spektakulären Erfolgen in Bayern, Schleswig-Holstein, Hamburg und nun in Hessen dem Bonner Establishment einen heftigen Schock versetzte.

Dort wird von einer "braunen Pestbeule", einer "radikalen Randerscheinung", von "braunen Maulwürfen" gesprochen. Sie selber aber nennen sich "fanatische Deutsche", "geläuterte Patrioten" und triumphieren: "Wir zeichnen das Profil der deutschen Nation" – "Die Leidenszeit des nationalen Gedankens ist vorbei" – "Das nationale Bewußtsein der Deutschen ist nicht mehr aufzuhalten". Und sie segeln im Wind de Gaulles, agitieren im Schatten derer, die verkünden: "Die Nachkriegszeit ist vorbei" (Erhard), die deutsche Nation dürfe nicht länger als "minderwertig oder potentiell gefährlich oder gar dauernd als kriminell diskriminiert" werden (Strauß), die deutsche Jugend wolle nicht länger "im Büßerhemd der Geschichte einhergehen" (Mende). Fünfzehn Prozent der Deutschen denken ebenso. Sie alle sind potentielle Nationaldemokraten, Radikale von rechts.

Emotionen, antirationale Neigungen zu purem Protest oder zur Provokation aus Neid und Mißgunst bestimmen ihr Verhalten. Sentiments und Ressentiments geben auch den Ton des NPD-Programms an. Es ist verwaschen, angefüllt mit ideologischem Kleinkram, von Anti-Gesinnungen geprägt. Gemeinschaft wird gegen Gesellschaft, Vaterland gegen internationale Partnerschaft gesetzt.

In den "Grundsätzen unserer Politik" heißt es: "Die Verschwendung öffentlicher Mittel für Großmannssucht, eitle Repräsentation und Prunkbauten ist zu bekämpfen. Wir wenden uns gegen die immer mehr um sich greifende Korruption in den Kreisen, die sich der öffentlichen Ämter bemächtigt haben."

Kampf wird angesagt dem "Ausverkauf unserer Großindustrie an Weltkonzerne", dem "hemmungslosen Materialismus". Zum Kampf wird aufgerufen für den deutschen Arbeiter, der einen "vorrangigen Anspruch auf Sicherung seines Arbeitsplatzes gegenüber ausländischen Arbeitskräften hat, für eine "pflichtbewußte und weitoffene gebildete Jugend, um der drohenden Versklavung durch den Kommunismus und der geistlosen Nivellierung in der Masse widerstehen zu können", für die "Heranbildung körperlich gesunder Staatsbürger".