Bekämpft werden die "Geschäftemacher mit dem Sex", die "öffentliche Unmoral, durch die täglich insbesondere die Würde der Frau verletzt wird", die "zersetzenden Meinungsmonopole im Fernsehen, Funk und Film", die "gewissenlose Clique, die unsere nationalen, moralischen und sittlichen Werte systematisch unterhöhlt und verächtlich macht" und einer "erschreckenden Zunahme der Kriminalität" Vorschub leiste. Denn: "Unsere Frauen und Kinder dürfen nicht länger Freiwild für Gewaltverbrecher sein."

Die Litanei im NPD-Kampfmanifest geht weiter: "Millionenfache Kriegsverbrechen an deutschen Männern, Frauen und Kindern bleiben ungesühnt" – daher Generalamnestie. "Deutschland ist nicht an allem Unglück der Welt allein schuld" – daher "Schluß mit der Lüge von der Alleinschuld, mit der von unserem Volk fortgesetzt Milliardenbeträge erpreßt werden sollen". Wehrdienst sei Ehrendienst – daher können die "Söhne keine guten Soldaten sein, solange die Väter öffentlich und ungestraft zu Verbrechern gestempelt werden".

Daß solche Rattenfänger-Parolen gerade auch bei der Bundeswehr Einlaß finden, bestätigte erst unlängst eine wehrpolitische Studie der CSU. Dort wurde festgestellt, daß die Soldaten von den christlichen zu anderen Parteien tendierten, auch zur NPD. Das ist nicht verwunderlich, wenn selbst Offiziere als Nationaldemokraten kandidieren und gewählt werden – wie ein Hauptmann und ein Feldwebel im schleswigholsteinischen Oldenburg und zwei Hauptleute im Fränkischen. Der Boden für eine radikale "nationale Rechte" ist nach zwanzig Jahren bereit. Für das Freund-Feind-Denken ist noch immer Platz genug. "Man kann wieder wählen", lautet daher eines der Schlagworte der NPD.

Doch kaum hatten sich die völkischen Aufrechten um ihre neue Fahne gesammelt – die alten Getreuen aus der Deutschen Reichspartei und Überläufer aus der FDP, der DP und dem BHE –, begann auch schon die nationaldemokratische Profilneurose. Wer führt die Partei: Thielen, der Bremer Betonfabrikant, oder Thadden, der adlige Berufsnationalist? Heute gilt der jüngere und clevere Thadden als Kopf der Bewegung. Wie braun darf die NPD sein, ohne Gefahr zu laufen, als eine Nachfolgepartei der NSDAP verschrien und verboten zu werden? Rigoros sorgte Thadden auf dem Karlsruher Parteitag dafür, daß die Kampfgefährten mit Vergangenheit unbelasteten Vorstandsmitgliedern Platz machten. Wer öffentlich Hitler rühmt oder sich als Antisemit gebärdet, wird kurzerhand ausgestoßen. Radikal, aber fein ...

Die Parteiführung mußte sich freilich auch von anderen Anhängern trennen: In Berlin wurde der 2. Landesvorsitzende, Rolf Richard Voigt, verhaftet. Er soll als Spion für den DDR-Staatssicherheitsdienst gearbeitet haben. Der Kreisvorsitzende in Dinslaken, Fritz Hoffmann, entpuppte sich als Chef einer Gangsterbande. Der in Hameln gewählte Stadtrat Helmut Draheim, der sich als Kriegsgefangener ausgegeben hatte, mußte abtreten, nachdem bekannt geworden war, daß er als Krimineller im Zuchthaus gesessen hatte.

Den größten Wirbel aber verursachte vor einigen Tagen der Tegernseer Metzgermeister Franz Florian Winter, einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden und Chef der bayerischen NPD. Als ehemaliger CSU-Politiker und treuer Katholik war er für die Konfessionsschule eingetreten. Das war seinen fränkischen Freunden zuviel; die Partei gab ihm den Laufpaß. Mit der Begründung, sie wollten eine "demokratische Partei und nicht die alte Nazi-Clique", erklärten daraufhin zwei örtliche Parteifunktionäre spontan ihren Rücktritt. Winter, der noch auf dem bayerischen NPD-Parteitag im April dieses Jahres stolz verkündet hatte: "Wir sind ebenso wenig im Bett der NSDAP gelegen wie der CSU-Vorsitzende Strauß sein Schäferstündchen mit Jane Mansfield durchbrachte", sagt heute, daß sich eine "radikale Gruppe in den Vordergrund schiebt, die nichts vergessen und nichts gelernt hat. Thielen hat fast so viel Angst im Herzen wie ich."

Der Überraschungssieg in Hessen freilich wird vorerst solche spektakulären Schlappen überdecken, wie sie die Nationaldemokraten im Fall Winter einstecken mußten. Hier steht ein Mann an der Spitze der NPD, der seiner Partei kaum schaden dürfte. Heinrich Fassbender, ein alter Deutschnationaler und ehemaliger FDP-Abgeordneter, war nur ein Jahr lang NSDAP-Mitglied (von 1931 bis 1932). Er trennte sich von Hugenberg, als dieser mit Hitler in der "Harzburger Front" paktierte. In Wiesbaden will der Kaufmann Fassbender eine "wirklich nationale Opposition" führen als "nationalsozialer Konservativer".