Wird die NPD, die sich – wenn auch mühsam – demokratisch gibt und ständig auf ihre Treue zum Grundgesetz pocht, doch nur eine "radikale Randerscheinung" bleiben, wie es die Führer der Bonner Parteien voraussagen? In der Wahlnacht vom September 1965 konnte ein strahlender Bundeskanzler Ludwig Erhard triumphieren: "Alle Extremitäten der Politik haben keine Chance, in Deutschland festen Fuß zu fassen." Die darauf folgenden Kommunalwahlen in Bayern, Hamburg und Schleswig-Holstein wie auch das Ergebnis der hessischen Landtagswahl belehren alle Gutgläubigen eines Besseren.

"Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch", dichtete einst Bertolt Brecht. Gegen Gastarbeiter und Gammler, für "nationale Würde" und einen "gesunden Patriotismus" lassen sich wieder genug Wähler mobilisieren. 1964, im Gründungsjahr der Nationaldemokratischen Partei, rangierte sie noch als ein Klub der Versprengten, wurde sie als ein Heerwürmchen belächelt. Zwei Jahre später kennen schon 84 Prozent der Bevölkerung in der Bundesrepublik diese Partei. Und 15 Prozent von ihnen wären sogar bereit, ihr die Stimme zu geben – mit der Losung "Wir sind wieder wer".