Von Dieter Jung

In diesem Kampf geht es nicht um Pokale – er wird mit ihnen ausgetragen. Und zwar mit gefüllten. Der Ausgang ist völlig offen, solange es die Grenzen noch nicht sind. Die Entscheidung fällen die bundesdeutschen Zecher zwischen Flensburg und Garmisch. Es ist die Entscheidung darüber, ob sich der deutsche Wein auch dann noch auf seinem Hausmarkt behaupten kann, wenn ihn keine Zölle und keine Kontingente mehr vor der Konkurrenz aus Frankreich und Italien schützen. In spätestens drei Jahren ist es soweit.

Betrachtet man die Ausgangsposition, so drängt sich ein Vergleich auf: die alte Geschichte von David und Goliath. Im deutschen Weinland kommt man in normalen Jahren auf kümmerliche 5 bis 6 Millionen Hektoliter Rebensaft. Bei unseren EWG-Partnern zusammen fließen jährlich runde 130 Millionen Hektoliter aus den Keltern. Wird diese gewaltige Weinwelle, die von Sizilien bis Bordeaux auf uns zurollt, auch in Zukunft ihren Schwung am Rhein verlieren? Oder wird sie, von wohllautenden Namen getragen und von süßen Urlaubserinnerungen beflügelt, ungehindert in bundesdeutsche Keller und Kehlen fließen?

Wer das Problem nur oberflächlich sieht, könnte argumentieren: "Die Zölle sinken schon seit Jahren, die Kontingente wachsen und werden zum Teil schon nicht mehr voll ausgenutzt. Gerade weil wir im Vergleich zu den anderen so wenig Wein produzieren, werden wir dieses Wenige immer absetzen können. Weshalb diese Sorgen?" So einfach ist es leider nicht. Denn es ist mehr im Spiel als nur die Menge. Es geht um die Qualität und um den Preis.

Die Produktionskosten für deutschen Wein liegen erheblich höher als für jedes vergleichbare Erzeugnis anderer Länder, trotz der bei uns recht günstigen Hektarerträge. Das bringt das nördlichste Weinbaugebiet der Welt so mit sich – zu ändern ist daran wenig, denn weder kann man auf kostspielige Frostschutzmaßnahmen verzichten noch auf die Bestellung der besonders arbeitsintensiven Hang- und Steillagen, die oft die besten Weine liefern.

Das Klima wiederum läßt von einem Jahr zum andern Weine von solcher Unterschiedlichkeit wachsen, daß nur eine ausgefeilte und kapitalintensive Kellertechnik in der Lage ist, das bestmögliche Endprodukt heranreifen zu lassen. Und in Durchschnittsjahren ist auch dieses Ergebnis kellermeisterlicher Mühen oft nur ein mittlerer Konsumwein, der bei sinkenden Zöllen mehr und mehr Gefahr läuft, von mediterranen Tropfen preislich unterwandert zu werden.

Der deutsche Weinbau weiß nicht erst seit heute, was ihn bedroht. Und wenn er das Fazit seiner bisherigen Arbeit zieht und sich zum Gong für die entscheidende Runde bereitmacht, kann er bereits eine ganze Reihe von Punkten für sich buchen.