FÜR alle, die das Theater in Deutschland ernst nehmen und auf der Bühne einen Widerschein dessen suchen, was in unserer Zeit geschieht –

Walter Maria Guggenheimer: "Alles Theater" Ausgewählte Kritiken 1947–1965; edition suhrkamp 150, Suhrkamp Verlag, Frankfurt; 177 S., 3,– DM.

ES ENTHÄLT 27 meist in den Frankfurter Heften und in der Süddeutschen Zeitung gedruckte Rezensionen und einen aus dem Jahre 1947 stammenden Vortrag über "Das Theater mit der Theaterkritik".

ES GEFÄLLT, weil es nützlich ist. Und es ist nützlich, weil die hier gesammelten Berichte und Kommentare, Urteile und Fehlurteile weit mehr als die unmittelbaren Gegenstände der Betrachtung erkennen lassen. Guggenheimer ist ein gescheiter und gebildeter und obendrein unerschrockener Mann, der genau weiß, was er will, und der niemals verheimlicht, was er mit seinen Aufsätzen erreichen und bewirken möchte. Er hofft und meint, daß die Theater nach wie vor "das geistige Bild der Nationen gleichzeitig, mit ausdrücken und mitbestimmen und zwar – ähnlich wie die Politik, die Kirche oder die Armee – das Bild auch jener Kreise, die nicht direkt mit ihm in Berührung kommen. So ist er immer wieder bemüht, das Theater im Zusammenhang mit vielen anderen Faktoren der Epoche zu sehen und zu deuten; so spricht er immer wieder von der Rolle, die jene spielen, für die Theater gespielt wird – von der Rolle der Zuschauer also. Letztlich will Guggenheimer, daß – wie er schon 1947 sagte – das Theater "aus einer Zeit-Vertreibung wieder zu einer Zeit-Erscheinung werde". Seine Artikel zeichnen sich durch Sachlichkeit und Klarheit ebenso aus wie durch einen Stil, der keinerlei Koketterie kennt. Man kann aus diesem Buch, das angriffslustig und zugleich stets sehr vernünftig ist, viel lernen.

M. R.-R.