In Göttingen, respektierte der Regisseur die Angabe des Autors, daß seine (1956 in Ostberlin uraufgeführte) "Schlacht bei Lobositz" eine Komödie sei. In Heidelberg wurde durch einen szenischen Trick am Schluß ein Salto mortale in die Gegenwart geschlagen. Hacks hat aus einer historischen Quelle des Siebenjährigen Krieges ein eigenwilliges, aber politisch und ästhetisch distanziertes Szenarium geschaffen. Zwar versetzt er der preußischen Fridericus-Legende den Todesstoß; aber in die scharfe Persiflage der feudalen Offiziersklasse ist auch die Entwicklung eines einfachen Soldaten eingefügt, des schweizerischen Musketiers Ulrich Bräker. Er entfaltet sich vom Lakaien über den königlich-preußischen Söldner zum denkenden Soldaten, und das heißt in diesem Falle: zum Deserteur.

Sprachlich und theatralisch wird konsequent verfremdet, und an der historischen Hauptfigur ist vorgezeichnet, was ein Publikum, das die Szenen mit der Gegenwart vergleicht, nachzuvollziehen hätte. Peymanns plump aggressive Aktualisierung der Schlußszene bedeutete deshalb nicht nur einen Stilbruch, sie dürfte auch der gerechten Würdigung des Autors im Wege stehen. In einer Zeit, da es hüben eine Bundeswehr und drüben eine Nationale Volksarmee gibt, wäre die simple Gleichsetzung von Offizieren schlechthin mit Hacks’ feudalem "Werbeoffizier" ein Anachronismus.

Hacks will keinen Helden glorifizieren, auch keinen proletarischen, sondern bei seinen "Bemühungen um Abschaffung des Krieges... auf Allgemeinheiten hinaus". Das dramaturgisch exzellent angelegte Stück bedarf sehr der Stützung durch den Schauspieler. In Göttingen praktizierte Pieper als komödiantisch versierter Spielführer ergänzende Phantasie. Dieser Inszenierung hätte man allerdings dem Heidelberger Darsteller des Ulrich Bräker gewünscht. In Schwyzerdütsch und mit Kraft prägte Ulrich Wildgruber die Mittelpunktfigur. Als solche wirkte in Göttingen Hans Brenner. Indem er aus dem mit scheinbarer Menschlichkeit gleißenden und deshalb um so heimtückischeren Werbeoffizier’ Markoni eine faszinierende Gestalt machte, wurde die Balance des Stückes eine Weile bedroht. Wildgruber und Brenner als Partner auf derselben Bühne wären eine Idealbesetzung.

Auch im übrigen könnte man aus der Synthese dieser beiden jugendlichen Regiekonzepte manches für eine sachgerechte Hacks-Interpretation gewinnen. Überzeugender als Hansheinrich Palitzschs Göttinger Bildanlage, die von der Statisterie zu viele offene Umbauten verlangt, erschien in Heidelberg Bert Kistners schlichte Kasten- und Kulissenbühne. Sie entsprach dem "Akte"-Stück.

Musik und Songs von Ingomar Grünauer hingegen waren für die Zuschauer weniger vergnüglich – und wie mir scheint: zu frech – als die Göttinger Musik von Hermann Fuchs. Aufgenommen wurde das Stück in beiden Aufführungen geduldig, wenn auch nicht sehr herzlich.

Johannes Jacobi