"Dieser Zustand versetzte Sie und andere Abgeordnete, die der Stahlindustrie nahestanden, in einen fatalen Loyalitätskonflikt, wobei Sie sich gegen die wirtschaftlichen und für die politischen Interessen entschieden haben."

Mit Entschiedenheit bestreitet Hans Dichgans diese Version. Er erinnert daran, daß diese Konfliktsituation damals gar nicht aufgetreten sei, weil die CDU/CSU-Fraktion sich selber von der Abstimmung im Bundestag dispensiert habe. Dadurch sei ein Veto gegen die Embargoverfügung unmöglich geworden. Dies sei eine für die deutsche Außenpolitik jener Jahre typische Reaktion gewesen, sich durch Unentschiedenheit aus dem Dilemma zu befreien, in das ein Land gerät, das gern Musterknabe sein möchte, aber gerade dadurch leicht zum Prügelknaben wird.

"Aber der Dumme war doch schließlich die deutsche Stahlindustrie, deren kritische Entwicklung damals schon zu erkennen war."

"So interessant das Röhrengeschäft mit dem Osten gewesen wäre, auch in seiner Größenordnung, so hat der Verzicht auf dieses Geschäft doch nur unwesentlich mit den späteren Schwierigkeiten der deutschen Stahlindustrie zu tun. Die Problematik der uns aufgezwungenen Entscheidung liegt vielmehr auf wirtschaftspolitischem und verkaufspsychologischem Gebiet. Der good will, den die deutsche Wirtschaft insgesamt auf den östlichen Märkten besaß und weiter zu entwickeln verstand, erfuhr damals einen beklagenswerten Rückschlag, unter dem wir heute noch zu leiden haben."

"Die Russen reagierten ähnlich, wie die Deutschen im Ersten Weltkrieg auf die Salpeter-Blockade reagiert haben: mit einer Do-it-yourself-Antwort."

"Ja, die Sowjets haben zur Abwehr der Embargomaßnahme eine eigene Röhrenproduktion aufgebaut. Damit dürfte dieser Markt, was Röhren angeht, für uns weitgehend verschlossen sein, Das erweist sich gerade jetzt, nachdem die deutsche Stahlindustrie sich mit mehr Schwierigkeiten als ihre Konkurrenten herumschlagen muß, als besonders schmerzlich."

"Müssen es denn gerade Röhren sein, mit denen die großen Geschäfte auf dem Auslandsmarkt zu machen sind?"