Erst nach der Landtagswahl in Bayern am Sonntag ist eine Entscheidung über die neue Bonner Koalition zu erwarten. Bis dahin wollen sich die vier Bonner Parteien — SPD, CDU, FDP und CSU — noch alle Möglichkeiten offenhalten. Der Trend der letzten Tage ließ jedoch erkennen, daß entweder eine MiniKoalition zwischen SPD und FDP unter einem Bundeskanzler "Willy Brandt oder eine Große Koalition unter einem Bundeskanzler, der vielleicht Kurt Georg Kiesinger heißt, und mit Brandt als Außenminister die größten Chancen hat. Dies ist der dramatische Ablauf der Bonner Krise seit Mittwoch voriger Woche.

überraschend zu einem Informationsgespräch mit dem FDP Vorsitzenden Erich Mende. In München sichert die CSU dem baden württembergischen Ministerpräsidenten Kiesinger für die Wahl des Kanzlerkandidaten ihre Stimmen zu. Zuvor hatte die CSU Landesvorstandsschaft ihren Vorsitzenden Franz Josef Strauß gebeten, sidi ebenfalls um die Kanzlerschaft zu bewerben. Strauß lehnte ab, ließ sich jedoch als Anwärter auf ein Ministeramt aufstellen — Bundestägspräsident Eugen Gerstenmaier verzichtet daraufhin auf seine Kandidatur— Bundesaußenminister Gerhard Schröder und Kiesinger sichern sich gegenseitig für den Fall ihres Sieges den Außenministerposten zu.

Wahlhandlung in der CDUCSU Bundestagsfraktion erhält Kiesinger vom koll des Reichssicherheitshauptamtes, aus dem hervorgeht, daß der ehemalige NSParteigenosse und Hilfsreferent im Auswärtigen Amt die antisemitische Auslandspropaganda sabotiert hat — Zur Wahl erscheint auch der noch leicht fiebernde Altbundeskanzler Adenauer. Schröder hat das Rennen schon aufgegeben: "Man muß wie beim Derby mitlaufen — Im dritten Wahlgang siegt Kiesinger mit 137 Stimmen vor Schröder mit 81 und dem Vorsitzenden der CDUCSU Bundestagsfraktion Rainer Barzel mit nur 26 Stimmen. EWGPräsident Walter Hallstein, der ebenfalls nominiert worden war, schied schon im zweiten Wahlgang aus.

nennt die SPD Fraktion noch keinen Kanzler Kandidaten, gibt jedoch zu erkennen, daß sie eventuell ein konstruktives Mißtrauensvotum einbringen, wird. Willy Brandt schlägt ein Allparteiengespräch über, die Sachfragen der Innenund Außenpolitik vor — Die FDP Abgeordneten Hermann Busse und Dr. Alexander Menne dementieren Gerüchte, daß sie eine Koalition mit der SPD ablehnten.

tierenden Bundeskanzlers und CDUVorsitzenden Ludwig Erhard erscheint Kanzler Kandidat Kiesinger auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Würzburg. Er verspricht, Franz Josef Strauß und den jungen Wissenschaftsminister Gerhard Stoltenberg in ein von ihm geführtes Kabinett aufzunehmen Er will eine harte Politik betreiben — Die SPD bezweifelt, ob ein von Strauß abhängiger Kanzler Kiesinger noch stark genug sein könne.

gehalten über die Erklärungen amerikanischer und sowjetischer Beamter, wonach die Berliner Abgeordneten im Bundestag kein volles Stimmrecht haben sollen.

empfängt die SPD Führer — Erstes Sachgespräch zwischen SPD und CDU CSU.