Otto Kopp (Herausgeber): Widerstand und Erneuerung, Neue Berichte und Dokumente vom inneren Kampf gegen das Hitler-Regime. Seewald Verlag, Stuttgart. 308 Seiten, 19,80 DM.

Mancher Leser wird diesem Buch mit mehr Skepsis gegenüberstehen, als man einer solchen Sammlung von Selbstzeugnissen sowieso schon entgegenbringt – eine verständliche Haltung nach Vorangegangenem.

Aber solange Skepsis nicht zur Voreingenommenheit wird, zieht ein Buch mehr Nutzen aus dieser Einstellung seines Lesers, als daß es dadurch Schaden leidet.

Der Herausgeber, ein Schweizer Publizist und genauer Kenner Deutschlands und deutscher Geschickte, legt in dem Band neben vier eigenen Beiträgen, zum Teil in diese eingearbeitet, neun Beiträge oder Dokumente vor:

Der belgische General Paul Berben erbringt mit seinem Bericht und seiner Untersuchung über den militärischen Widerstand gegen Hitler ein wertvolles Zeugnis dafür, daß auch ausländische Stimmen die Schwierigkeiten und Probleme in ihrer Größe und Wirkung richtig abzuschätzen vermögen. Paul Binder berichtet über seine Zusammenarbeit mit Fritz Graf von der Schulenburg, insbesondere von der aufschlußreichen Mission ins Elsaß. Albrecht Fischer erzählt von den gemeinsamen Arbeiten mit Goerdeler und dem Bosch-Kreis und von seinen Erlebnissen in der "Unterwelt" der Gestapo. Ähnliche Erlebnisberichte bringen Fürst Fugger von Glött, Heinrich Mechler, Elmar Michel und Hans Walz.

Der Herausgeber stellt uns jeden dieser Berichterstatter in wenigen Worten vor. Alle diese Berichte beleuchten mitsamt einer ausführlichen Einleitung von Otto Kopp den Widerstand gegen Hitlers Diktatur durch Industrielle. Dabei werden keine "Persilscheine" ausgestellt, schon gar nicht an die Industrie als Ganzes. Es wird nur die besondere Lage der Industriellen anschaulich dargestellt und die Form des aktiven inneren Widerstandes untersucht.

Außer dieser erfreulichen Korrektur des verbreiteten Zerrbildes "Hitler und die Industrie" birgt das Buch eine wesentliche Erweiterung des Goerdeler-Bildes. Vor allem ist die Veröffentlichung einer Goerdeler-Rede begrüßenswert, die in dem Band der Gemeinschaftsdokumente von Beck und Goerdeler (Gotthold Müller, München, 1965) nicht enthalten ist. Gerade dieses Dokument aus der Zeit des Widerstandes selbst ermöglicht eine direkte Begegnung mit seinem Denken. So wird dem Leser zum Beispiel auffallen, daß damals nicht an Wohlstand für alle, sondern an Wohlstand für alle, die schaffen, gedacht war.