Eine Geschichte ist wie die andere – jedenfalls in diesem Jahr, jedenfalls bei den Büchern für Kinder im ersten Lesealter. Hübsch erzählt, gefällig zu lesen, angereichert mit dem rechten Maß an Späßen und Streichen. Ferien an der See oder auf dem Lande, im Süden oder Norden – und so weiter.

Da ist es kein Wunder, daß man aufatmend ein Buch wie

Tove Jansson: "Geschichten aus dem Mumintal", aus dem Schwedischen von Dorothea Bjelfvenstam; Benziger Verlag, Einsiedeln; 152 S., 9,80 DM

ergreift, weil es zunächst schon einmal durch seine Andersartigkeit auffällt. Doch wenn man zwei oder drei dieser phantasievollen Erzählungen gelesen hat (es handelt sich nicht, wie manche Käufer vielleicht annehmen könnten, um die aus Tageszeitungen bekannten comic strips über die Mumins), weiß man, daß dieses Buch selbst in einer Auswahl der besten Kinderbücher einen besonderen Platz einnehmen würde. Trotzdem ist Tove Jansson, die dieses Jahr, wie bereits berichtet, die Hans-Christian-Andersen-Medaille erhielt und deren Bücher in fast alle Sprachen übersetzt sind, in Deutschland als Autorin noch nicht recht bekannt geworden. Das mag sich jetzt allerdings ändern, da – außer der Publicity durch den Preis – der NDR eine Sendereihe über "Geschichten aus dem Mumintal" bringt, von Eduard Marks in bewährter Art vorgetragen.

Die Mumins sind kleine Pfotenwesen, Verwandte der nordischen Trolle. Sie hören auf so besondere Namen wie Filifjonka, Hemul und Mumrik. Mit den Hatifnatten und mit Titiuuh erleben sie ihre Abenteuer – Namen, die einen an den Jabberwock oder die Gelse aus "Alice in Wonderland" erinnern. Aber darüber hinaus sind die Erzählungen so eigenartig, daß man – zum Glück – Vergleiche mit anderen Autoren nicht anzustellen vermag.

Tove Jansson, die aus Finnland stammende Autorin, schreibt ihre Bücher in schwedischer Sprache. Abgeschieden von der Welt lebt sie auf einer kleinen Insel. Sie schreibt nicht nur, sie malt auch Landschaften, Fresken, Bühnenbilder. Ihre Bücher illustriert sie selbst, was ihnen äußerst gut bekommt. Sie hat ihren eigenen, stellenweise schwarzen Humor, ein Gefühl für nonsense, was jedoch in ihren Büchern nicht überhand nimmt, sondern mit soviel Fröhlichkeit und Klugheit gepaart ist, daß ihre Gestalten Kindern ans Herz wachsen können. Dagmar Kosanke