"La Musica Nuova"; Gazzelloni (Flöte), Faber (Oboe), Rzewski (Klavier), Solisten des Sinfonie-Orchesters Rom, Leitung: Bruno Maderna; RCA Italiana-Teldec SLD 6105/1-3, 75,– DM.

Auch; die verdienstvollsten Bemühungen Dr. Goldschmidts von der Wergo GmbH kommen nicht dagegen an: Neuer Musik wird nur selten die Ehre der Schallplatte zuteil. Angebot und Nachfrage stehen zudem unter kommerziellem Druck. So werden die RCA wie in Deutschland die Teldec vermutlich auch nicht sehr viele Exemplare dieser Kassette zu pressen haben, obwohl "La Musica Nuova" eines der bedeutendsten Schallplattenereignisse der letzten Jahre ist;

Vorgestellt werden: Stockhausens aphoristische Klangfarben-Studie "Kontra-Punkte" (1953); Krzysztof Pendereckis erschütterndes Klagelied für 52 zu Geräuschen und Farben zusammengedrängte Streicherstimmen Threnos – auf die Opfer von Hiroshima (1960) Earle Browns "Available Forms I" (1960), das Musterbeispiel einer Musik, deren Ablauf, derKomponist, völlig offen ließ; Henri Pousseurs "Rimes" (1954), eine erregende Mischung instrumentaler und elektronischer Klänge; Pierre Boulez’ "Sonatine für Flöte und Klavier" (1946), in der serielle Techniken vorausgeahnt sind; Roman Haubenstock-Ramatis "Interpolation" (1959), ein Mobile für eine, zwei oder drei Flöten; Bruno Madernas poetisches "Oboenkonzert" (1962); Luigi Nonos Mittelteil aus dem "Epitaph für Garcia Lorca"; Kazuo Fukushimas beinahe impressionistisches "Hi-kyö" ("Der Mond", 1963), mit Flöten-Vierteltönen; Luciano Berios heiter-melodische "Serenata" (1957) und Hans Ulrich Lehmanns "Quanti" (1962) für Flöte und Kammerorchester.

Kein repräsentativer "Querschnitt" also, keine "Stationen" einer Entwicklung oder "Teilaspekte" – der pädagogische Effekt wird nicht unbedingt gesucht (das im Englischen zwar umfangreiche, in der deutschen Übersetzung aber nur noch spärliche Textheft allerdings verspielt die Möglichkeiten einer genaueren Werkerläuterung unnötigerweise). Aber diese etwas zufällige Zusammenstellung wird mustergültig interpretiert, der Zugang wird dem Fernerstehenden auf höchstem künstlerischen Niveau geboten. Vielleicht gewinnt das der zeitgenössischen Musik ein paar neue Freunde. Heinz Josef Herbort