Seit Jahr und Tag wird in Europa nach einer Konzentration der Industrieunternehmen gerufen, damit endlich Konzerngrößen entstehen, die für den Wettbewerb mit Amerikas Giganten die erforderliche Kraft besitzen. Bislang zwingen die zwischen den sechs Ländern der EWG bestehenden Unterschiede im Steuer- und Gesellschaftsrecht zu akrobatischen Kunststücken, wenn etwa ein französisches und ein deutsches Unternehmen fusionieren wollen.

Die "Handelsgesellschaft europäischen Typs" soll da Abhilfe schaffen. Ihre Rechtsform müßte für die ganze EWG gültig vereinbart werden, so daß Unternehmer im Gemeinsamen Markt nach gleichen Rechtsnormen neue Gesellschaften gründen können. Aber schon melden sich die Ideologen der nationalen Souveränität zu Worte, die fordern, lediglich gleichlautende Gesetzesvorschriften in die nationalen Gesetzgebungen der "sechs" einzufügen, statt gemeinsames Recht für die EWG zu schaffen. Nicht der Luxemburger Europäische Gerichtshof, sondern die nationalen Gerichte sollen dann über Streitfälle nach ihrer Manier befinden. Die europäische Handelsgesellschaft würde damit in jedem Land anders behandelt, die Fusionen behindernden Unterschiede in den Rechtssystemen blieben erhalten – die Rechtsunsicherheit würde die Industrie wie eh und je weiter belasten.

Ein Studienausschuß aus Regierungsbeamten wurde in Brüssel eingesetzt. Dort wird nun jede Regierung ihre eigene Gesetzgebung als ideal empfehlen, so daß als europäischer Einheitsgesetzestext entweder eine Mißgeburt aus Eigensinn und Rechthaberei oder (weil man sich nicht einigt) – nichts herauskommt. So wird es wohl noch Jahre dauern, bis die "Handelsgesellschaft europäischen Typs" das Licht der Welt erblicken wird. H. B.