Dem früher in aller Welt geachteten Begriff "Made in Germany" droht von einer ganz anderen Seite Gefahr als von der angeblich so mangelhaften "Arbeitsmoral". Unser Volk, das noch vor wenigen Jahrzehnten das Gros der Nobelpreisträger stellte, läuft Gefahr, auf den Bildungsstand eines Entwicklungslandes abzusteigen. Es ist gewiß kein Abstieg gegenüber dem Bildungsstand, der früher in Deutschland herrschte. Es ist aber ein Abstieg im Verhältnis zu anderen Ländern. Allein das zählt.

Ein Land, in dem rund ein Fünftel aller Absolventen der Grundschule nur mangelhafte Kenntnisse in der Rechtschreibung ihrer eigenen Muttersprache besitzen, ist auf dem besten Wege zu einer Art modernem Analphabetentum. Wenn ebenfalls fast ein Fünftel lediglich mangelhaft zu rechnen imstande ist, muß sich die Wirtschaft fragen, wie aus diesen Menschen brauchbare Arbeitskräfte für die Zukunft werden sollen.

Daß sich jetzt die Wirtschaft, und zwar der Deutsche Industrie- und Handelstag, zunächst durch eine repräsentative Umfrage dieser Probleme annimmt, ist verdienstvoll. Die Gefahr ist damit aber noch keineswegs gebannt. Es wäre angebracht, wenn Gewerkschaften und Unternehmer gemeinsam all ihren Einfluß geltend machen, um die Politiker zum Handeln zu bewegen. j. e.