Von der New Yorker Schule zu Pop Art und Abc-Kunst

Von Willi Bongard

Es soll zwar immer noch Leute geben, die an der, ach, so liebgewonnen Vorstellung von der kulturellen Übermacht des guten, alten Europa kleben, aber das Zeitalter der "Griechen" ist – spätestens vor zwanzig Jahren – zu Ende gegangen, und "Athen" hat seine Vorrangstellung an "Rom" abgeben müssen. Das Rom der Neuzeit aber ist New York.

Dieser Vergleich ist gar nicht einmal so schmeichelhaft, wie er scheint, und selbstbewußte New Yorker würden ihn sich wahrscheinlich sogar verbitten: Sie haben mittlerweile ein kulturelles Selbstbewußtsein erlangt, eine kulturelle Eigenständigkeit gewonnen, wie sie die Römer so recht nie gekannt haben.

Fanden die griechischen Sklaven Trost bei dem Gedanken, daß ihnen die Römer zwar die Waffen aus der Hand geschlagen, ihre Kultur aber übernommen hatten, so müssen wir Europäer heute mitansehen, wie die Amerikaner sich von Europa loszusagen und auf unsere Tradition zu pfeifen beginnen, zumindest im Bereich der bildenden Kunst. Was vor ein paar Wochen wieder einmal bewiesen wurde.

Ich meine die Eröffnung des neuen "Whitney Museum of American Art".

Es handelt sich dabei, wohlgemerkt, nicht etwa um ein neues Museum. Vielmehr um die Einweihung des neuen Gebäudes einer – nach amerikanischen Zeitbegriffen – nachgerade altehrwürdigen Institution.