Politik

Das Bonner Derby

Erst nach der Landtagswahl in Bayern am Sonntag ist eine Entscheidung über die neue Bonner Koalition zu erwarten. Bis dahin wollen sich die vier Bonner Parteien — SPD, CDU, FDP und CSU — noch alle Möglichkeiten offenhalten.

+ Weitere Artikel anzeigen

DIE ZEIT

Berliner Frost

Die weihnachtliche Bescherung der Westberliner mit Passierscheinen wird in diesem Jahr ausfallen – es sei denn, es geschähe noch ein vorweihnachtliches politisches Wunder.

Rumpelstilzchen Strauß

Für Franz Josef Strauß hat die Stunde Rumpelstilzchens geschlagen: Heute back’ ich, morgen brau’ ich, übermorgen hol’ ich der Königin ihr Kind.

Vorstoß nach Europa

Harold Wilson will Großbritannien zum zweitenmal auf den Weg nach Europa führen. Vorige Woche sagte er dem Unterhaus: "Die Regierung geht mit der klaren Absicht und Entschlossenheit an die Gespräche heran, dem Gemeinsamen Markt beizutreten, wenn – was wir hoffen – unsere wesentlichen britischen und Commonwealth-Interessen gewährleistet werden können.

Kiesinger oder Brandt?

Die Unionsparteien setzen alles daran, ihre Machtposition in Bonn zu retten. Bei ihnen erwachen Energien, wie oft bei Bedrängten, die sich erst zu letzter Kraftanstrengung aufraffen, wenn ihnen das Wasser am Halse steht.

Marion Gräfin Dönhoff:: Kein Parteigenosse als Kanzler!

Nun steht es also fest: der Kanzlerkandidat der CDU/CSU heißt Kurt Georg Kiesinger. Wen ein ärztliches Verdikt ausgerechnet jetzt auf einen einsamen Schweizer Berg verbannt hat, wo es weder Fernsehen gibt noch die Möglichkeit des Meinungsaustausches, wer also die Überlegungen, die zu diesem Beschluß geführt haben, im einzelnen nicht miterlebt hat, der ist aufs äußerste betroffen.

ZEITSPIEGEL

In einem Bericht über die Zustände in Guinea beschreibt die New York Times die Regierungsmethode von Sekou Touré als "Regierung per Epilepsie".

Röntgenbild einer Parteikrise

Die schleichende Krise in der CDU/CSU, die jetzt in ein akutes Stadium eingetreten ist, hat im Frühjahr 1959 eingesetzt. Damals, zur Halbzeit der dritten Bundestagsperiode, drängte ein großer Teil der Fraktion darauf, Bundeskanzler Adenauer durch den Wirtschaftsminister Erhard abzulösen, den nach Adenauer populärsten CDU-Politiker.

Gemeinsame Sache mit Moskau?

Michel Debré, de Gaulles Wirtschafts- und Finanzminister und von 1958 bis 1962 sein Premierminister, hält sich zur Zeit in Moskau auf.

Renaissance der Republikaner

Das Ergebnis der Kongreß- und Gouverneurswahlen in Amerika hat die Balance des Zweiparteiensystems wiederhergestellt. Die Vorherrschaft der Demokraten im Capitol ist eingeengt, der Boden für eine Renaissance der Republikanischen Partei vorbereitet worden.

Die Sintflut kam über Florenz

Wir fuhren auf der Autostrada del Sole südlich von Florenz in Richtung Rom, um über die Ausfahrt Arezzo nach Figlie Valdarno abzuzweigen.

Politik mit Zahlen

Hat ein Sprecher der amerikanischen Botschaft über den künftigen Kanzler der Bundesrepublik Deutschland entschieden? Überrascht nahmen FDP und SPD am Wochenende seine Erklärung zur Kenntnis, daß die Haltung der Westalliierten in der Frage des Berliner Stimmrechts seit 1949 unverändert sei.

Kittet Kiesinger die Union?

Die Bonner Prognosen über den Ausgang der Koalitionsverhandlungen sind vager denn je. Die Überraschungen der letzten Tage mahnen zur Vorsicht: Die Wahl Kiesingers, hauptsächlich auf Kosten Barzels, der weit hinter Schröder zurückfiel; die Annäherung zwischen FDP und SPD, die freilich nicht so weit ging, daß die SPD bereits einen Kanzlerkandidaten nominierte, was man in den Wandelgängen des Bundeshauses erwartet hatte.

Wolfgang Ebert:: Mein Onkel Fritz

Kürzlich soll Staatssekretär Carstens ein pessimistisches Fazit unserer Deutschlandpolitik gezogen und der Bundespräsident sich skeptisch hinsichtlich der Zurückgewinnung der Oder/Neiße-Gebiete geäußert haben.

"Nun muß Bayern Deutschland retten"

Sie sind das Salz der Union, Sie müssen die Union erneuern." Ministerpräsident Meyers, der seinem "Freund Strauß" zuliebe aus Düsseldorf in den bayerischen Wahlkampf gezogen war, rief es den Teilnehmern am Würzburger Deutschlandtag der Jungen Union beschwörend zu.

Von ZEIT zu ZEIT

Die CDU/CSU-Fraktion des Bundestages wählte Kurt Georg Kiesinger vor Gerhard Schröder, Rainer Barzel und Walter Hallstein zum "Kanzlerkandidaten".

Wilson meint es halb ernst

Mit Emphase hat Premierminister Harold Wilson einen neuen britischen Anlauf zur EWG angekündigt. Eine genaue Analyse ergibt jedoch, daß sich an der vorsichtigen britischen Haltung wenig geändert hat.

Indiras Stern erlischt

Was Ludwig Erhard für Bonn, wurde Indira Gandhi für Indien: ein Symbol politischer Schwäche. Die Tochter Nehrus, bei Jahresbeginn noch mit Vorschußlorbeeren bedacht, hat in der Woche nach dem Aufruhr um die "Heiligen Kühe" rapide an Prestige und Profil verloren, so daß viele bezweifeln, ob sie ihre Amtszeit überhaupt noch bis zu den Neuwahlen im Februar durchstehen wird.

Ein Habsburger intra muros!

Tausende von österreichischen Arbeitern legten Anfang des Monats aus Protest die Arbeit nieder, weil Otto von Habsburg, der Chef des damaligen Kaiserhauses, gewagt hatte, für ein paar Stunden in seine Heimat zurückzukehren, Sie ahnten nicht, daß seit Jahr und Tag der direkte Nachkomme, Kaiser Franz Josephs I.

PG’s auf Bonner Ministersesseln

CDU-Altbundestagsabgeordneter August Dresbach erwägt seinen Austritt aus der Union, weil der ehemalige NS-Parteigenosse Kiesinger Kanzler werden soll.

Ian Smith läutet die Freiheitsglocke

Nach Amerika und Berlin besitzt nun auch Rhodesien seine Freiheitsglocke. Am ersten Jahrestag zum Gedenken an die einseitige Unabhängigkeitserklärung der britischen Kolonie wurde sie in Salisbury von Premierminister Ian Smith eingeläutet.

Kanonade am Berg Hebron

Die Israelis haben zugeschlagen, mit unerwarteter Härte. Am Sonntagmorgen überquerte eine Brigade Infanterie, gedeckt von Panzern, Artillerie und Flugzeugen, die jordanische Grenze südlich des Berges Hebron am Toten Meer und sprengte mehrere Dörfer in die Luft.

Vietnam: Die größte Schlacht

General McArthur warnte sein Land davor, sich auf einen Landkrieg auf dem asiatischen Festland einzulassen. Wie recht er mit dieser Warnung hatte, muß jetzt General Westmoreland, der US-Oberbefehlshaber in Vietnam, bitter erfahren.

Namen der Woche

Leszek Kolakowski, polnischer Philosophieprofessor (ein Sänger des "polnischen Frühlings" 1956), jüngst wegen freimütiger Kritik am Regime Gomulka aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen, hat gegen seinen Ausschluß Beschwerde eingelegt.

Rote Armee auf Wacht am Amur

Bereiten sich China und die Sowjetunion auf einen bewaffneten Konflikt vor? Die Sowjets haben in jüngster Zeit mehrere Divisionen an der 8000 Kilometer langen chinesischen Grenze postiert.

Binnendeutsche Bruderhilfe

Spät kam sie, zu spät – die vom Ständigen NATO-Rat in Paris verfügte Aufhebung des Röhrenembargos. Hans Dichgans erreichte die Nachricht nach einer Sitzung des Bundestags-Finanzausschusses, der wieder einmal über die Kilometergeldpauschale zu beraten hatte.

Strauß kam über die Hintertreppe

Lorenz Vilgertshofer, Staatssekretär im bayerischen Landwirtschaftsministerium, muß aus dem Stegreif reden. Um acht Uhr hatte er angefangen, darauf vorbereitet, vor dem Hauptredner zu sprechen.

Krummachers Herausforderung

Ein Bischof strafte einen hohen Staatsfunktionär Lügen – so geschehen in diesen Tagen in der DDR. Hans Seigewasser, der Ostberliner Staatssekretär für Kirchenfragen, hatte in der vergangenen Woche im Ost-CDU-Organ "Neue Zeit" behauptet, zwischen Staat und Kirche bestehe ein "normales und vertrauensvolles Verhältnis".

Ungern gehört

Einige Besucher, die während der Rede erregt den Saal verließen, Ärger mit den Mitveranstaltern und viele Telephonanrufe handelte sich der saarländische Landesverband des "Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge" bei der Feier zum Volkstrauertag im Saarbrücker Stadttheater ein.

Irrte hier die Justiz?

Der Fall Brühne gehört seit Jahren zu den Erfolgsschlagern der Publizistik in deutschen Landen. Am 4. Juni 1962 wurden Vera Brühne und Johann Ferbach vom Münchner Schwurgericht wegen Doppelmordes, begangen an dem Arzt Dr.

Ein Vertrauensmann für den Bürger

Wir haben kein Vertrauen mehr in die Verwaltung ... Soll wucherndes Unrecht zum Krebsschaden werden?" So steht es in einem Brief, der an den Eingabenausschuß der Hamburger Bürgerschaft gerichtet wurde.

Pestbeule "Klingelpütz"

Am Dienstag begann in Köln der "Klingelpütz"-Prozeß. Angeklagt sind ein Oberverwalter und ein Hauptwachtmeister wegen "Körperverletzung im Amt" in insgesamt 24 Fällen.

Bayerisches Blut

Alois Hundhammer, Bayerns bärtiger Landwirtschaftsminister, überreichte dem argentinischen Konsul Pedro Knutti feierlich zwei junge kräftige Bullen.

Malen, malen, malen

Sie malten dauernd, aber nicht für die Dauer. Vier junge Hamburger Künstler, bisher bekannt unter ihrem Sammelnamen "Cruizin 4", gingen unter die Sportler, um ihre Namen mit Ruhm zu bekränzen.

Unheilvoller Trieb

Wenn es über ihn kommt, gibt. es keine Rettung mehr. Wenn es geschehen ist, tut es ihm leid, Jugendliche, die ihm unbefangen begegneten, "zur Schlechtigkeit" verführt zu haben.

Wenn Glocken läuten...

Der Gastarbeiter aus Italien – verheiratet mit eher Bremerin, Vater von zwei Kindern – ist im Mai einem hanseatischen Küster, der von Berufs wegen am Glockenstrang einer Kirche in eisern Neubaugebiet zieht, an die Krawatte gegangen.

Rund um St. Pauli: Für einen Groschen

Nach der Feinmechanikerlehre mietete er in seinem Geburtsort Freiberg in Sachsen das Zimmer, wo Alexander von Humboldt gewohnt hatte, und bekam dort seinen Vortragsfimmel.

Die Rebellen schweigen

Die SED-Macht probte die Koexistenz mit dem Geist. Die DDR-Literaten ließen den Aufstand. Und die mit einiger Spannung erwartete Jahreskonferenz des Schriftstellerverbandes in Ostberlin ging vorüber, ohne daß es zu der offenen Auseinandersetzung zwischen jenen, die schreiben in der DDR, und jenen, die Literatur in den Parteibüros programmieren, gekommen wäre.

Organisierte Originalität

Vier Tage lang wurde in den Foyers der Berliner Philharmonie, der Urania und des Sportpalastes vorwiegend Englisch gesprochen.

Bemühungen um Abschaffung des Krieges

Die gegenwärtige Spielzeit bringt eine Invasion von Stücken des 1928 geborenen Peter Hacks auf die Schauspielbühnen in der Bundesrepublik.

Die Literatur-Mafia von Berlin

Seit einigen Monaten hört man: in Berlin herrschte eine Literatur-Mafia, ein Klüngel, ein Racket, ein zentraler Gang, herrschten ein paar Al Capones, Drahtzieher, Manipulanten, Literaturschieber, deren Protektion zu verscherzen sich kein Schriftsteller getraue und kein Journalist.

In der Malerei führend: Amerika

Es soll zwar immer noch Leute geben, die an der, ach, so liebgewonnen Vorstellung von der kulturellen Übermacht des guten, alten Europa kleben, aber das Zeitalter der "Griechen" ist – spätestens vor zwanzig Jahren – zu Ende gegangen, und "Athen" hat seine Vorrangstellung an "Rom" abgeben müssen.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Auch; die verdienstvollsten Bemühungen Dr. Goldschmidts von der Wergo GmbH kommen nicht dagegen an: Neuer Musik wird nur selten die Ehre der Schallplatte zuteil.

Zwanzig Jahre Das Kunstwerk

Darf man dem volkstümlichen Spruch Glauben schenken, daß eine Krähe der anderen nicht die Augen aushackt, so wäre damit plausibel gemacht, daß es im deutschen Kunstleben keine Krähen gibt.

Fernsehen:: Ex libris

Hamburg gab sich literarisch, das berühmte Wort "Mein Sohn soll studieren, er ist für Kaffee zu dumm" wurde in Frage gestellt, man las Gedichte auf dem Rathausmarkt und Prosa in der Universität, im Atlantic tanzten korrekt gekleidete Herren, ein Romancier und Generalstaatsanwalt fungierte im Frack als Patron, und schöne Frauen zogen wie zu Thomas Manns Zeiten die Brauen hoch, wenn ihnen, den Herrinnen von Pöseldorf und von der Elbchaussee mit der spitzen Suade und den Söhnen, die zu Michaelis in der Gelehrtenschule leider wie schon so oft in Gefahr sind, den Rang eines ultimus zu belegen – wenn der baute volée von der Elbe ein hoffnungsvolles Talent vorgestellt wurde.

Filmtransparente

Kinder, die neckend sich beschimpfen, folgen der Spielregel: Retourkutsche gilt nicht. Ihre Weisheit scheint den allzu gründlich Erwachsenen verloren zu sein.

ZEITMOSAIK

Das menschliche Wesen ist ebenso leicht der Menschenfresserei fähig wie der Kritik der reinen Vernunft; es kann mit den gleichen Oberzeugungen und Eigenschaften beides schaffen, wenn die Umstände danach sind, und sehr großen äußeren Unterschieden entsprechen dabei sehr kleine innere.

+ Weitere Artikel anzeigen